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Jugendstil bei Gerzensee: «Rüttimatt», zwischen Villa und Bauernhaus.© Markus Beyeler
Kornhausforum, Bern

Aus alt mach schön und stabil

Vier vorbildliche Renovationen und ein Lehrgang für Handwerker: Im Kornhausforum wird zum zehnten Mal der Denkmalpflegepreis verliehen, zum Jubiläum gar an fünf Projekte.

«Das Handwerk befindet sich gegenwärtig in einer ähnlich tief greifenden Umbruchphase wie während der Industrialisierung im 19. Jahrhundert. Wir alle erleben den Megatrend der Digitalisierung; die Auswirkungen sind auf sämtlichen Ebenen der Gesellschaft spürbar, auch im Handwerk.» Diese Einschätzung gibt Reto Kradolfer in einem Sonderdruck zum Denkmalpflegepreis des Kantons Bern, der heuer zum zehnten Mal vergeben wird. Anlässlich dieses Jubiläums werden auch gleich fünf Preise verliehen, wovon einer an den 2012 erstmals durchgeführten Lehrgang «Handwerk in der Denkmalpflege» geht.

 Unesco schützt Handwerk

Kradolfer ist ehemaliger Präsident des Trägervereins für den Lehrgang und betont, wie wichtig das Fachwissen über traditionelle Bautechniken, Werkzeuge und Materialien ist. Mittlerweile müssen solche alten Handwerkstechniken als immaterielles Kulturerbe von der Unesco geschützt und bewahrt werden. Handwerk wird immer wie weniger von Fachkräften gefordert – heute werde auf dem Bau meist «industrielle Systemarbeit verrichtet, man montiert vorproduzierte Systeme», schreibt Kradolfer.

Viel privates Engagement

Im Kornhausforum werden des Weiteren vier bemerkenswerte Restaurationen mit dem Jubiläumspreis ausgezeichnet, bei denen die Bauherrschaft mit der kantonalen Fachstelle Denkmalschutz zusammengearbeitet hat. Der Fokus lag hierbei auf der Alltagsnutzung der Gebäude. So wurden eine Jugendstilvilla bei Gerzensee geehrt, die ihren Charakter von «halb Villa, halb Bauernhaus», der schon beim Bau 1905 erwähnt wurde, beibehalten hat. Mit ingesamt 17 Kilometern Dachlatten und sehr viel Liebe zum Detail wurde die Liegenschaft in Zusammenarbeit mit den Bewohnern renoviert.

Bei allen ausgezeichneten Projekten fällt die Hingabe der Inhaber zum Bauwerk ins Auge: In Ligerz geht es gar so weit, dass die Stadt gemeinsam eine Liegenschaft, das Aarbergerhaus, genossenschaftlich gekauft hat, um mit ihr eine weitere Fassade des Dorfes am Bielersee zu erhalten. Einem Dorf, das seit über 50 Jahren erfolgreich gegen den Massenverkehr und für sein pittoreskes Ortsbild ankämpft. Ebenfalls geehrt werden ein Wahrzeichen der bern-jurassischen Industrialisierung: die Fabrik Langel in Courtelary, und das «neue Schloss» Oberdiessbach, das von der Familie von Wattenwyl bewohnt und instand gehalten wird.

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