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Letzte Vorbereitung im Backstage vor der befürchteten Blamage.© Digitale Massarbeit
Museum für Kommunikation, Bern

Der alltägliche Bremsklotz

Die neue Ausstellung «Schweinehunde und Spielverderber» im Museum für Kommunikation rückt auf spielerische und interaktive Weise Hemmungen ins Zentrum. Sie stehen uns im Weg. Und manchmal ist das auch gut so.

Veranstaltungsdaten

FR 15.11.2019 10.00 - 19.07.2020
Die Nervosität steigt, das Herz schlägt schneller, die Röte schiesst ins Gesicht. Ein letzter Blick in den Spiegel – wie sehe ich aus? Wirke ich selbstbewusst? Hoffentlich blamiere ich mich nicht. Es sind die letzten Gedanken, bevor der eigene Name ausgerufen wird. Das Zeichen, den Backstage zu verlassen und auf die Bühne zu gehen. Hinter dem Vorhang wird auf einem Monitor der Countdown angezeigt: 3, 2, 1. Showtime!

Es sind die ersten Minuten in der Ausstellung «Schweinehunde und Spielverderber – Die Ausstellung über Hemmungen», die Besuchende dort erleben – jedenfalls die Gehemmten. Für Rampensäue hingegen mag dies ein euphorischer Einstieg sein. Das Museum für Kommunikation beginnt seine neue, interaktive Ausstellung sozusagen mit einer Metapher fürs Leben: Darin ist immer Showtime. Mit Hemmungen verbundene Situationen begegnen uns täglich, besonders in der Öffentlichkeit.

Finde ich Regeln gut?

Dies macht «Hemmungen» zu einem abstrakten Begriff. Auf einer Wiese dürfen sich Besucherinnen und Besucher ungeniert ausbreiten, Radio­beiträge zum Thema aus dem SRF-Archiv hören oder darüber lesen, wie sich Hemmungen mit der Zeit verlagern, weil sich auch die Normen wandeln. Ein anderer Beitrag erklärt, wie die Pubertät eine regelrechte Hemmungsexplosion auslöst. Auch die eigene Meinung darf hier ausgetauscht werden, zum Beispiel mit Stift auf einem Plakat. Finde ich Regeln gut? Habe ich schon einmal etwas gestohlen? Jemand hat sich schon ehrlich geäussert: «Ein Bierglas aus der Beiz.»

Hinter Türen – oder sind es Hemmschwellen? – reden Personen mal ganz ungeniert über Sex. Hinter einer anderen wird klar, wie einschränkend Hemmungen sein können. Manchmal geniessen wir deshalb den Alkoholrausch, der einen den Bremsklotz ignorieren lässt. Man erfährt auch welche Folgen tiefere Hemmschwellen im Netz haben können: Hasskommentare werden hier dank der Anonymität bedenkenloser geäussert. Sie sind eben auch sinnvoll, diese Hemmungen, und ganz alle sollten wir nicht ablegen. Manchmal bleibt es aber auch schwammig. «Ich habe Hemmungen, wenn ich furzen muss», sagt eine Frau in einer Videosequenz. Ob dies nun eine gute oder schlechte Hemmung ist, darüber lässt sich streiten.

Events zu diesem Artikel

Ausstellungen

Schweinehunde und Spielverderber. Die Ausstellung über Hemmungen

Wir alle kennen das Gefühl: Plötzlich wird es unangenehm. Darf man das sagen? Will ich das tun? Was denken die anderen?  Museum für Kommunikation, Bern 15.11.2019, 10.00

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