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Barbara Keller von Alpinen Museum und Fabienne Eggelhöfer vom ZPK.© ZVG/Monika Flückiger

«Eine stumme Eröffnung wäre die schwierigste Vorstellung»

Museen dürfen voraussichtlich erst im Juni wieder öffnen. Das stellt auch den Alltag der Kuratorin und stellvertretenden Direktorin des Alpinen Museums, Barbara Keller, und von Fabienne Eggelhöfer, Chefkuratorin und Leiterin Sammlung, Ausstellungen, Forschung am Zentrum Paul Klee, auf den Kopf. Hier tauschen sie sich aus. Barbara Keller: Woran hast du gerade gearbeitet, als der Entscheid des Bundesrats deinen Arbeitsalltag auf den Kopf gestellt hat?

Fabienne Eggelhöfer: Ich war mit der Vorbereitung der Ausstellungen für das Jahr 2021 beschäftigt. Da es dabei vor allem um Lesen und Verfassen von Konzepten und Projektanträgen geht, hat der Entscheid des Bundesrates meine momentane Arbeit nicht grundlegend verändert. Im Gegenteil, die Ruhe für konzentrierte Arbeit kommt mir eigentlich gerade gelegen. Leider mussten einige Reisen abgesagt werden, die für Recherchen in Archiven oder erste Gespräche für Kooperationen hätten genutzt werden sollen. Das ist schade, kann aber hoffentlich nachgeholt werden.

FE: Wo und wie arbeitest du momentan?

BK: Ich arbeite diese Woche im Freiluftbüro aus dem Kandertal, mit Sonne im Gesicht und Blick auf den Niesen. Die schwierigen Arbeitsumstände haben auch etwas Schönes. Meine drei Kinder gehen zurzeit nicht in die Schule, den Kindergarten und die Kita. Also haben wir uns in den Bergen in unserem Hüttli eingerichtet. Einen Halbtag arbeite ich, den anderen ziehe ich mit den Kindern durch den Wald, spiele am Bach und lade währenddessen meinen Laptop an einer Autobatterie auf.

BK: Welche Auswirkungen hat die momentane Museumsschliessung auf das Ausstellungsprogramm im Herbst und Winter 2020 des Zentrums Paul Klee?

FE: Wir mussten die beiden Eröff­nungen vom Frühjahr auf den Herbst ver­schieben. Die Lee-Krasner-Ausstellung versuchen wir bis Mitte August zu verlängern; das hängt aber von der Zusage aller Leihgeber ab sowie von unseren Kooperationspartnern.

FE: Gibt es neue Aufgaben, die du nun übernehmen musst?

BK: Die Schliessung hat unsere Planung auf den Kopf gestellt. Eigentlich wäre ich im Moment im Endspurt für die Eröffnung der Ausstellung «Auf Pirsch. Vom Handwerk der Jagd», die Ende April 2020 vorgesehen war. Statt den Umbau anzupacken, haben wir letzte Woche verschiedene Szenarien diskutiert, wie wir die laufenden und kommenden Projekte sinnvoll neu
terminieren.

BK: Welche Verschiebung oder Absage ist dir besonders schwergefallen?

FE: Leider mussten wir die Präsentation der Daros Latinamerica Collection, welche Mitte Oktober eröffnet wird, im Zentrum Paul Klee absagen. Da es sich um eine Zusammenarbeit mit dem Kunstmuseum Bern handelt, kann trotzdem ein grosser Teil der Sammlung dort gezeigt werden.

FE: Für die anspruchsvolle Szenografie eurer Ausstellungen arbeitet ihr sicher mit externen Fachleuten. Wie reagieren diese, wenn sie nicht wie geplant ihre Arbeit erledigen und dafür Rechnung stellen können?

BK: Für die externen Mitarbeitenden unserer Projekte ist die jetzige Sit­uation herausfordernd. Sie wird existenziell. Ihre Arbeiten werden verschoben und neue Aufträge kommen im Moment keine rein. Wir sind mit ihnen in Kontakt und suchen individuell Lösungen.

BK: Worauf freust du dich am meisten, wenn der normale Museumsalltag wieder zurückgekehrt ist?

FE: Darauf, dass ich mit meinen Kolleginnen und Kollegen wieder an einem Tisch sitzen kann, spontane Ideen austauschen und Projekte zusammen realisieren kann. Denn die Museumsarbeit funktioniert nur im Team. Besonders freue ich mich auch auf unsere Besucher und darauf, wenn wieder Leben in der Bude ist!

FE: Wie stellst du dir die nächste Eröffnung im Alpinen Museum vor? Alle mit Gesichtsmaske, nur für geladene Gäste oder gar keine Feste in diesem Jahr?

BK: An die Schutzmasken im öffentlichen Raum und an Veranstaltungen werde ich mich noch gewöhnen müssen! Für uns sind die Vernissagen wichtige Momente der Freude, die wir mit dem Publikum teilen. Die schwierigste Vorstellung wäre daher, die nächsten Ausstellungen einfach stumm eröffnen zu müssen. Vielleicht werden wir die Ausstellung zur Jagd im Bremgartenwald eröffnen, als Postenlauf von Hochsitz zu Hochsitz oder etwas in dieser Art. So wären immer nur wenige Menschen zusammen unterwegs. Uns wird schon etwas einfallen.


www.zpk.org
www.alpinesmuseum.ch

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