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Zum ersten Mal am Meer: «Voir la mer».© Sophie Calle/ADAGP, Paris 2019
Kunstmuseum Thun

Empathie und Voyeurismus

Unter dem Titel «Regard incertain» zeigt das Kunstmuseum Thun erstmals eine Retrospektive von Sophie Calle. Die Künstlerin spielt gekonnt mit Intimität und Verweigerung.

Veranstaltungsdaten

SA 07.09.2019 10.00 - 01.12.2019
Die französische Fotografin und Konzeptkünstlerin Sophie Calle ist eine ungemein konsequente Beobachterin. In ihrer Arbeit «The Shadow/Der Schatten» von 1981 bat Calle ihre Mutter, einen Privatdetektiv anzuheuern, der Calle einen Tag lang folgen würde. Den Detektiv liess Calle ebenfalls beschatten und veröffentlichte danach sämtliche Fotos und Notizen – in­klusive jene des Detektivs – als Gesamtkunstwerk. Man kann dies als prophetischen Kommentar zum Überwachungsstaat interpretieren, aber das Schöne an Calles Arbeiten ist, dass sie sich letztlich einer zu einfachen Deutung verweigern.

Teilhaben an diesem Moment

Die Autodidaktin, geboren 1953, gehört längst zu einer der wichtigsten Künstlerinnen Frankreichs und ar­beitet neben Text und Fotografie ­mittlerweile auch mit Film. Das Kunstmuseum Thun widmet ihr, in Zusammenarbeit mit dem Fotomuseum Winterthur, nun die Retrospektive «Regard incertain». Die zwei Museen bringen damit Calles umfangreiches Werk zum ersten Mal in die Schweiz. «In Istanbul, einer vom Meer umgebenen Stadt, habe ich Menschen getroffen, die es noch nie gesehen hatten. Ich habe sie gefilmt, wie sie es zum ersten Mal gesehen haben.» Dies Calles Kommentar zu ihrer Arbeit «Voir la mer» aus dem Jahr 2011. Die Filmstills berühren, und werfen eine für Calle typische Frage auf: Ist unser Bedürfnis, an diesen ­Momenten teilzuhaben, ein düster-­voyeuristisches, oder zeugt es von ­Empathie? Um es mit einer für Calle typischen Antwort zu sagen: wahrscheinlich beides.

Events zu diesem Artikel

Ausstellungen

Sophie Calle - REGARD INCERTAIN

7. September – 1. Dezember 2019, Kunstmuseum Thun  Thun, Thun 07.09.2019, 10.00

Dauerveranstaltungen

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