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Porträt des Dichters als älterer Mann.© Sammlung Centre Dürrenmatt Neuchâtel © CDN/Schweizerische Eidgenossenschaft
Schloss Spiez

«Es drängt mich zu beidem»

«Dürrenmatt als Zeichner und Maler», die neue Ausstellung im Schloss Spiez, verortet sein «Bildwerk zwischen Mythos und Wissenschaft» und zeigt den Schweizer Literaten als Maler, der seine «schriftstellerischen Kämpfe» auf Leinwand bannte.

Veranstaltungsdaten

MI 26.05.2021 20.00
MI 26.05.2021 20.00

Er zeichnete, was er für seine literarischen Werke brauchte, er skizzierte, wo sich seine Bücher abspielten – und glücklicherweise nutzte er die Sprache um sein Verhältnis zwischen Sprache und Malerei zu beschreiben: Friedrich Dürrenmatt. Das Schloss Spiez widmet seine neue Ausstellung Dürrenmatts grafischen und zeichnerischen Arbeiten. Die Werke sind mehrheitlich Leih­gaben aus dem Centre Dürrenmatt Neuchâtel, seinem langjährigen Wohnort, das sich mit der Bewahrung seines malerischen Werks beschäftigt und als Museum funktioniert.

Verzahnte Malerei und Schriftstellerei

Zeit seines Lebens malte und zeichnete Friedrich Dürrenmatt, der 2021 100 Jahre alt geworden wäre, und immer war dieses Handwerk verzahnt mit der Schriftstellerei. Dies obwohl er sich als junger Student zu einer Entscheidung, einer Berufswahl zwang und das Schreiben vorzog. In einem Brief 1941 an seinen Vater schreibt der junge Germanistikstudent Dürrenmatt: «Soll ich malen oder schreiben. Es drängt mich zu beidem». Im selben Jahr konstatiert er an die Eltern «ein Sekretär von Kunstgesellschaften, eine Museumsstelle oder gar ein Beamter zu werden ist einfach unmöglich für mich. Ich kanns nicht. Das solltet ihr wissen.» Auch als der Entschluss zur Schriftstellerei gefallen war, liess er die Malerei nicht links liegen. Im November 1942 schrieb er aus Zürich an die Eltern: «Weiter hat mich die Beobachtung überrascht, dass mein ‹Zeichnen› mich nicht vom Schreiben ablenkt sondern stark fördert.»

Auch 1978 beschreibt er diese Verbindung von Schrift und Bild erneut: «Meine Zeichnungen sind nicht Nebenarbeiten zu meinen literarischen Werken, sondern die gezeichneten und gemalten Schlachtfelder, auf denen sich meine schriftstellerischen Kämpfe, Abenteuer, Experimente und Niederlagen abspielen. […] Ich bin kein Maler. Ich male technisch wie ein Kind, aber ich denke nicht wie ein Kind. Ich male aus dem gleichen Grund, wie ich schreibe: weil ich denke.» Und in den frühen 80er-Jahren schrieb er: «Nicht meine Gedanken erzwingen meine Bilder, meine Bilder erzwingen meine Gedanken.»

Astronomie, Mythologie, Evolution

Die Kunst des Pfarrerssohns aus Konolfingen ist stark geprägt von christlichen Motiven wie etwa der Kreuzigung, der Auferstehung – aber auch von griechischer Mythologie. Zeitlebens hat ihn auch die Kindheit im Dorf, genauso wie die Auseinandersetzung mit der Astronomie und der Evolutionstheorie beschäftigt. Mit Humor, einem äusserst wichtigen Werkzeug des Autors, aber auch mit kindlich befreiter, ungeformter Fantasie (er spricht von «kindlicher Schöpfungskraft») und viel Geist, hat Dürrenmatt diese Themen behandelt. In den Bildern spiegelt sich das Motiv des Minotaurus oder Weltstiers, aber auch in den in Spiez ausgestellten Bildern wie «Turmbau II: Der amerikanische Turmbau», «Auferstehung» oder «Arsenal eines Dramatikers» zeigt sich die Verzahnung von Text und Bild, wie sie für Dürrenmatts Werk so wichtig war. Die Ausstellung «Dürrenmatt als Zeichner und Maler» im Schloss Spiez geht explizit auch auf das «Spannungsverhältnis von Mythos und Wissenschaft in mehreren thematischen Dimensionen» ein und bettet sein bildnerisches Werk in den Kontext seines Gesamtwerks.

Events zu diesem Artikel

Bühne

Friedrich Dürrenmatt: Abendstunde im Spätherbst – Kaspar Lüscher und Wilfried Gronau

Eine utopische Kriminalkomödie nach Friedrich Dürrenmatt. Das preisgekrönte Hörspiel in der Bühnenfassung.  La Cappella, Bern 26.05.2021, 20.00
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Eine utopische Kriminalkomödie nach Friedrich Dürrenmatt. Das preisgekrönte Hörspiel in der Bühnenfassung.  La Cappella, Bern 26.05.2021, 20.00

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