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Rätselhaftes Bild mit schwierigem Titel: «N****blick», 1933, von Paul Klee. © Zentrum Paul Klee, Bern
Zentrum Paul Klee, Bern

Kind seiner kolonialen Zeit

 Paul Klee bewunderte die «Unmittelbarkeit» und «Ursprünglichkeit» kindlicher, aussereuropäischer und psychopathologischer Bildsprachen. In der Ausstellung «Paul Klee. Ich will nichts wissen» nähert sich das Zentrum Paul Klee dieser ambivalenten Faszination für das «Andere».

Avantgardekreise feierten seine «ursprüngliche», kindliche Bildsprache, die Nationalsozialisten hingegen brandmarkten sie als «entartet»: Paul Klee suchte zu Beginn des 20. Jahrhunderts nach Auswegen aus der Krise der Kunst, die ihm falsch und künstlich schien: «Wie neugeboren will ich sein, nichts wissen von Europa, gar nichts. Keine Dichter kennen, ganz schwunglos sein; fast Ursprung», schrieb er 1902 in sein Tagebuch.

 

Inspiration fand Klee im Ausdruck von «Primitiven», «Art brut»-Künstlern oder in den Zeichnungen seines Sohnes Felix. Mit der Ausstellung «Paul Klee. Ich will nichts wissen» begegnet das Zentrum Paul Klee der Faszination des Malers für das «Andere» aus einer kritischen Distanz. So erscheint Klees Auseinandersetzung aus heutiger Sicht verklärend – und keinesfalls frei von dis­kriminierenden und exotisierenden Vorstellungen, wie Kuratorin Fabienne Eggelhöfer erklärt: «Paul Klee verstand seine Kunst als bewussten schöpferischen Akt, im Gegensatz zur unbewussten Kreativität seiner Vorbilder. Mit dieser Unterscheidung – und impliziten Wertung – war er ganz Kind seiner Zeit.»

Die Ausstellung stellt Werke Klees neben Bücher, Kinderzeichnungen und Objekte aus Afrika, die sich im Nachlass des Künstlers fanden. «Wir möchten Klees Zugang in ihrer ganzen Ambivalenz hinterfragen – als Beitrag zur Aufarbeitung des kolonialen Hintergrunds der europäischen Moderne.»

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