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«Das urtümliche Wesen der Farbe ist ein traumhaftes Klingen, ist musikgewordenes Licht.»© 2019, ProLitteris, Zürich, Foto: Kunsthaus Zürich
Kunstmuseum Bern

Schillernder Pionier

Die neue Ausstellung des Berner Kunstmuseums, «Johannes Itten: Kunst als Leben. Bauhausutopien und Dokumente der Wirklichkeit», porträtiert den bedeutenden Schweizer Künstler und Bauhaus-Lehrer der ersten Stunde. «In dem Augenblick, da ich über Farbe nachdenke, Begriffe bilde, Sätze setze, zerfällt ihr Duft und ich halte nur ihr Körper in den Händen. Das urtümliche Wesen der Farbe ist ein traumhaftes Klingen, ist musikgewordenes Licht.» Johannes Itten hat in den ersten vier Jahren am Bauhaus seine populäre Farbenlehre begründet und die Kunstpädagogik umgekrempelt. Vor 100 Jahren wurde das Bauhaus in Weimar eröffnet, was das Kunstmuseum mit der Ausstellung «Johannes Itten: Kunst als Leben. Bauhausutopien und Dokumente der Wirklichkeit» und das Zentrum Paul Klee ab Ende September mit «Bauhaus Imaginista» aufgreifen.

Lieblingsfarbe Blau

Ittens Lieblingsfarbe sei Blau ge­wesen, erinnert sich eine ehemalige Schülerin im SRF-Dokumentarfilm «Johannes Itten – Bauhaus-Pionier», der ebenfalls in der Ausstellung zu sehen ist. Doch wer Pluspunkte beim Lehrer mit einem Werk in blau erschleichen wollte, der erregte seinen Zorn. Itten, der das Studium an der École des Beaux-Arts in Genf abgebrochen hatte, weil er die Fokussierung auf technisches Handwerk nicht nachvollziehen konnte, begründete das System eines künstlerisch breit gefassten, praxisorientierten Vorkurses, auf den die Ausbildung in einer Werkstätte folgt. Erst die «Menschenbildung», dann die Ausbildung, so sein Credo.

«Einatmen, Ausatmen»

Der im Berner Oberland geborene Itten verschrieb sich vor dem Zweiten Weltkrieg der Mazdaznan-Lehre, die östliche Religion, Philosophie mit Esoterik und teils auch irritierenden Rassenlehren mischte. Er exerzierte rhythmische Gymnastik und vegetarische Ernährung mit seinen Studentinnen und Studenten und liess die Lehre auch in sein Werk einfliessen, wie das Bild «Einatmen, Ausatmen» von 1922 aufzeigt.

Die Ausstellung gibt nebst Bildern einen chronologischen Einblick in ­Ittens Kunst und Kunsttheorie, die er ab 1913 in Tage- und Skizzenbüchern festhielt. Die neu erforschten Tage­bücher unterstreichen die spannende Bandbreite Ittens, der abstrakt, diagrammatisch, mit Collagetechniken, aber genauso mit figürlichen Motiven auf Stoff, dreidimensional und auf Leinwand arbeitete.

 

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