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Zweckgemeinschaft: Maria (Marianne Tschirren) und Mohamed (Dara Khalil).© Rolf Veraguth
Theater Matte, Bern

Der Situation ausgeliefert

Im Theater Matte werden in der Gesellschaftskomödie «Die Maria und der Mohamed» von Falke Braband, inszeniert von Renate Adam, die Themen Veränderung, Vorurteile, Flucht und Integration auf humorvolle Weise verhandelt.

 

Umgeben von Pflanzen sitzt Maria (Marianne Tschirren) auf ihrer Chaiselongue auf der Bühne und lässt sich von Hanna (Barbara Seidel), ihrer Schwiegertochter, Tee und Guetsli servieren. Eigentlich bräuchte sie dringend professionelle Unterstützung beim Kochen, Anziehen und im Haushalt. Das will sie aber partout nicht. Etwas argwöhnisch blickt sie von der Seite zu Mohamed (Dara Khalil), der etwas abseits neben ihr sitzt und jedes Mal demütig hochspringt, wenn sein Name fällt: das wohl bewusst etwas überzeichnete und klischierte Bild des warmherzigen und hilfsbereiten arabischen Geflüchteten.
Hanna, die Mohamed bei der Flücht­lingshilfe kennengelernt hat, vermittelt dem jungen Syrer einen Gartenjob bei Maria, als diese wegen eines längeren Spitalaufenthaltes selbst nicht mehr zu ihren Pflanzen schauen kann. Obwohl es der selbstbestimmten Maria nicht ganz behagt, wie Mohamed den Rasen vertikutiert, freundet sie sich langsam mit der neuen Situation an. Sie, die sich doch eigentlich nichts sagen und schon gar nicht helfen lässt.

Der Härtefall Maria

Bald hat die von Hanna heimlich engagierte «Supernancy», eine euphorische Spitexfrau und ein selbsternannter «Pflegeengel» mit Vorliebe für Handpuppen, die Nase voll von Marias zynischer, abwehrender Haltung. Anfangs noch mit der Haltung «mir wärdä das Ding scho schoukle» und «Humor isch weme trotzdäm lacht», bleibt der Härtefall Maria für Nancy ungeknackt.

Es bleiben nur noch Maria und Mohamed im Haus zurück und aus der hilfsbereiten Unterstützung entwickelt sich bald Freundschaft. Sie beide verbindet, dass sie sich in einer Situation befinden, der sie ausgeliefert sind und der sie gerne entkommen möchten: Maria dem Alter und Mohamed dem Warten auf den Entscheid über seinen Asylantrag.

Umgang mit dem Fremden

Falke Brabands Tragikomödie «Die Maria und der Mohamed» bildet mit ihren Figuren, dem Gutmenschen Hanna, der verbitterten, zynischen Maria, der Blickschlagzeilen nachplappernden, latent ausländerfeindlichen Nancy und dem warmherzigen Mohamed, die gängigen Narrative der Asyldebatte ab. Inszeniert von Renate Adam werden im Stück aktuelle Themen wie Vorurteile und Ängste, unterschiedliche Vorstellungen von Integration, Flucht und Traumata aufgegriffen. Als Leitgedanke kristallisiert sich in allen Bereichen vor allem der Umgang mit dem Fremden heraus – ob Mensch oder Lebenssituation.

Die sehr nah am Leben geführten Dialoge bewegen sich zwischen erklärend und sensibilisierend, laufen an manchen Stellen jedoch Gefahr, in eine leicht romantisierende Darstellung zu verfallen. Etwa die Annäherung von zwei unterschiedlichen Kulturen über gemeinsames Tanzen oder Essen.

Die im Mittelpunkt stehende Menschlichkeit und Herzlichkeit räumen mit verbreiteten Feindbildern auf und regen zum Diskurs einer «zwischen rechten und linken Scheuklappen geführten Asyldebatte» an.

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