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Reiseziel Mond: Ntando Cele und Angela Kerrison übernehmen die Hauptrollen.© Janosch Abel
Dachstock, Bern

Die Beats der Afronauten

In der musikalischen Performance «Black. Space. Race» schlagen Ntando Cele und Raphael Urweider im Dachstock ein wenig bekanntes Kapitel Afrikas auf. Das Stück wird im Rahmen der Tour de Lorraine aufgeführt.

«Als Edward Mukuka Nkoloso darf ich die Hüfte nicht weiblich bewegen, das ist schwierig bei Afrobeat», sagt ­Ntando Cele, dies demonstrierend. Die südafrikanische Performerin hat mit ihrem Mann, dem Berner Autoren ­Raphael Urweider, das Stück «Black. Space. Race» über ein wenig bekanntes Kapitel afrikanischer Geschichte geschrieben: Sambias Beitrag zum Wettlauf der Grossmächte ins All während des Kalten Krieges.

 

In Fässern zum Mond

Nichts Geringeres als den Mond erklärte der Lehrer Nkoloso in den 60er-Jahren zum Ziel. Er baute im 1964 unabhängig gewordenen Sambia eine «Nationale Akademie für Wissenschaft und Weltraumforschung» auf und rekrutierte ein Dutzend Jugendliche aus der sambischen Befreiungsbewegung. Zum Trainieren rollten und schwangen sie in Ölfässern herum, öfter widmeten sie sich aber der Musik, wie sie verdutzten Reportern erzählten.

Ob es politisches Kalkül, nur Spass oder am Ende doch ein ernst gemeinter Traum war, wird bis heute diskutiert. In der Kunst haben die sambischen «Afronauten» und generell «Afrofuturismus»-Theorien, vor dem Hintergrund eines «wiederauflebenden Interesses an Black Science und Science-Fiction», jüngst neuen Schub erhalten, wie der «New Yorker» 2017 schrieb. Jener Magazinartikel inspirierte Cele und Urweider zu «Black. Space. Race».

Gegen Machokultur

In der dokumentarisch-fiktiven Per­formance agieren an Celes Seite die botswanische Sopranistin Angela Kerrison, der englische Bariton Robin Adams und der ägyptische Sänger Wael Sami Elkholy. Die Frauen übernehmen die Hauptrollen, die Männer die Backvocals, «so untergraben wir auch die typische Machokultur im Afrobeat», sagt Urweider. Live spielt eine Band um den Gitarristen Maze Künzler die eigens komponierten Songs. Diese reisen wie die Figuren im Stück durch Raum und Zeit – vom Urgestein Fela Kuti über kongolesischen Rumba und Kambala-Jazz bis zu afroamerikanischem Funk.

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