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Bewegungsspektakel der Zwillingsschwestern Kristina und Sadé Alleyne.© Lidia Crisafulli
Dampfzentrale, Bern

Die Dunkelheit ins rechte Licht gerückt

«Dear Darkness,» heisst das diesjährige Motto des Festivals Tanz in Bern in der Dampfzentrale. Auf dem Programm stehen sieben Produktionen rund um das ambivalente Thema der Dunkelheit.

Manche Menschen fürchten die Dunkelheit, andere werden von ihr ange­zogen. Dunkle Gedanken sind der 
Gegensatz der Erleuchtung, die Dunkelheit steht oftmals für den Teufel, für Depressionen. Aber Dunkelheit um uns herum kann auch schön sein: Sie gibt uns die Nacht und den Sternenhimmel, sie öffnet das Tor zur Traumwelt.

Allgegenwärtig und existentiell

«Wir wählen Themen für das Tanzfestival, denen eine Ambivalenz innewohnt, wie etwa der Dunkelheit. Sie durchzieht unsere ganze Existenz», so Anneli Binder, künstlerische Co-Leiterin der Dampfzentrale. Sie kuratiert das Tanz in Bern, dessen zwölfte Ausgabe unter dem Motto «Dear Darkness,» steht.

Wir setzen uns hin, das Licht geht aus, das Bühnenlicht geht an. Die Dunkelheit, oder besser gesagt, das was ins Licht gesetzt wird auf der Bühne, ist ein wesentlicher Punkt im Theater. Diesen vorgegebenen Rahmen des Saallichts zu sprengen kann zur lustvollen und spannenden Erfahrung werden, wie etwa in der Produktion «Ghost Writer and the Broken Hand Break» von Miet Warlop. Die Belgierin interpretiert in ihrem Stück anhand eines Wahrnehmungsexperiments mit verschrobenem Bühnenlicht, kreischenden Sounds und Instrumenten die spirituelle Ekstase des Drehmoments des Tanzes der Derwische.

Auch die Produktion «A Night’s Game» des britischen Duos Alleyne Dance spielt mit der Bühnenbeleuchtung: Im Dunkeln gehalten, entfaltet sich hier schattenspielerisches Bewegungsspektakel mit afro-karibischen Einflüssen, Akrobatik und Hip-Hop.

Die Pandemie spaltet

Als weiteren Schwerpunkt greift das Festival die Dunkelheit um uns herum auf, das, was um uns herum gerade passiert. Hier gehe es laut Binder vor allem um Diskriminierung: «Rassismus, Sexismus, Ableismus, Populismus. Die Pandemie spaltet, schafft und verstärkt Ausschlüsse.»

Räume voller Türen

An der Eröffnung des diesjährigen Tanz in Bern ist die Schweizer Premiere von «Diptych», der beiden Kurzsstücke «The Lost Room» und «The Missing Door», der belgischen Gruppe Peeping Tom zu sehen. Sie ist bekannt dafür, gesellschaftliche und normative Beziehungen zu untersuchen und gewöhnliche Situationen in spektakulärer Szenerie, etwa mit Wasser auf der Bühne, immer weiter zu brechen und ins Fiktive zu verschieben. Es wartet ein makaberes Labyrinth auf die Figuren, dem sie nicht entkommen. Ein Raum, gefüllt mit verschlossenen Türen, eine Schiffskabine, düster und filmisch.

Auch auf der Webseite der Dampfzentrale lohnt sich das Graben in der Dunkelheit: Hier finden sich etwa Podcasts von «Nachtgeschichten», geschrieben von Michael Fehr, Eva Maria Leuenberger und Dragica Rajčić Holzner, die sich wunderbar als Gutenachtgeschichten für Erwachsene eignen.

Ausserdem wird auch die diesjährige Ausgabe von Tanz in Bern von einem Rahmenprogramm begleitet: Mit «Ink About It!» geht die einzige queer-feministische Tattoo-Zusammenkunft der Schweiz in die zweite Runde und an der «Hemmigs-Metzgete» werden Hemmungen ins Rampenlicht gerückt und ausgemerzt.

 

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