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Aktenberge, die verschwinden und verletzte Spieler: Der Pressesprecher (Nico Delpy) hat einiges zu tun.© Janosch Abel
Vidmar 1, Liebefeld

Die FIFA im Abseits

Für das Konzert Theater Bern erarbeitete Regisseur Christoph Frick mit dem Ensemble das Stück «FIFA – Glaube, Liebe, Korruption». Herausgekommen sind humorvolle, pointierte Betrachtungen über einen «gemeinnützigen» Verein und eine Sportart.

Veranstaltungsdaten

SO 05.04.2020 19.30
SO 19.04.2020 19.30
SO 26.04.2020 19.30
FR 29.05.2020 19.30

«Intigri-», «Intrigi–» – «Integrität» auszusprechen ist nicht immer einfach. Ähnliche sprachliche Stolpersteine: «Ethik», «Moral» und «Schmiergeld»: Da rutschen die schön in Reih und Glied sitzenden Funktionäre an der Pressekonferenz plötzlich unter den Tisch, als hätte jemand Gleitmittel auf ihre Stühle gestrichen. Der deutsche Regisseur Christoph Frick offenbart in seinem neuen Stück «FIFA – Glaube, Liebe, Korruption» die blinden Flecke der FIFA-Funktionäre.

Fangehabe, irgendwie religiös

Die Sesselfritze aus den Chefetagen mit ihren vorgefertigten Öffentlichkeitssätzen sitzen in der Vidmarhalle am Tisch, der gleichzeitig auch das Fussballfeld ist. Eine klare Gegenüberstellung von Teamplay und Fairness, wie es auf dem Rasen verlangt wird, und den Finten und Tacklings des «gemeinnützigen» Weltfussballverbands, der seinen Hauptsitz in der Schweiz hat und trotz Millionengewinnen nur eine reduzierte Gewinnsteuer von 4 Prozent ausrichten muss. Ein Verband, der zudem massiv in Schmiergeld­skandale und Korruptionsaffären verwickelt ist.

In schnellem Rhythmus kontrastiert Frick Siegesgesten, Bekreuzigungen oder Doppeladler auf dem Platz – kontrollierte Pressekonferenzgesichter, Interesse mimend, und irgendwie religiöses Fangehabe. Was so unterschiedlich daherkommt, entpuppt sich letztlich immer als Inszenierung für die Kamera. Sie ist im Stück allgegenwärtig, oft wird live auf die Stadionwände übertragen, die den Rasen umrunden. Alles ist Medienspektakel und währenddessen verschwinden die Aktenberge. Ein weiterer Blick durch die Kamera bietet das Kino Rex mit Fussballfilmen.

Schon einmal hat sich Frick mit Aktenbergen auseinandergesetzt: 2018 inszenierte er für Konzert Theater Bern «Die Akte Bern. Theaterbericht von Fichen bis Facebook», einen Text von Tobi Müller. Kürzlich hat er mit «Palmasola» ein Dokumentartheater über ein bolivianisches Gefängnis in Zusammenarbeit mit ehemaligen Insassen realisiert.

Textbuch kurz vor der Premiere

Auch das FIFA-Stück ist eine Erarbeitung, das Stück ist gemeinsam mit den zehn Schauspielerinnen und Schauspielern entstanden. Das setzt einerseits viel Recherche voraus und ergibt ein Textbuch, das erst eine Woche vor der Premiere bereit ist. Andererseits sorgt es für vielgestaltige und persönliche Geschichten vom Schalke- oder YB-Fantum beispielsweise, oder dem ewigen Hoffnungsnarrativ des Fussballs. Und in diesem Fall hat es viel Platz für schwarzen Humor, dessen Pointen besser sitzen als manches Pokerface in der Chefetage.

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