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Die Schwestern Karamasoff (Mona Petri, Newa Grawit und Liliane Steffen) sind unter der Knute ihrer dominanten Mutter (Catriona Guggenbühl). © Yoshiko Kusano
Schlachthaus Theater, Bern

«Die Frauen sind handelnd»

Der Berner Autor Matto Kämpf erzählt Fjodor Dostojewskis Roman «Die Brüder Karamasow» von 1880 ziemlich anders und auf Berndeutsch. «Die Schwestern Karamasoff» ist ein Kammerspiel in vier Teilen, inszeniert von Christina Rast.

Matto Kämpf, was macht «Die Brüder Karamasow» zu Ihrem Lieblingsbuch?
Die Geschichte hat etwas Ausuferndes und Chaotisches, ein faszinierendes Durcheinander. Sie ist wie ein riesiger Steinbruch. Es war Dostojewskis letztes Buch und man merkt, dass er aus dem Vollen schöpft.

Wie kamen Sie darauf, aus dem Roman ein Stück zu machen?
Habe ich eine Carte Blanche und schreibe völlig frei, komme ich – leider – oftmals auf etwas Ähnliches. Eine Vorlage zu haben, zwang mich zu einem anderen Ton, das fand ich interessant. Dostojewski schreibt ganz anders, realistischer als ich. Ich merkte, dass wir ein gutes Team sind, uns ergänzen.

Im Original sind es Brüder, bei Ihnen Schwestern. Weshalb?
Bei Dostojewski sind es interessante Männer- und recht öde Frauenfiguren. Um von diesem Frauenbild aus 1880 wegzukommen, habe ich das Ganze umgedreht. Das verleiht dem Stück eine neue Dynamik: Die Frauen sind handelnd und die Männer eher Objekte am Rande.

Wie unterscheidet sich Ihre Fassung sonst noch?
Im Original ist die Geschichte zeitlich und geografisch auseinandergezogen. Meine Version spielt an Silvester in Bern. Vier Schwestern treffen sich in der Stadt, in der ihre Mutter eine baufällige Villa bewohnt. Bei Dostojewski taucht ausserdem ein Mönch auf, der in meiner Fassung als Yogalehrer in Erscheinung tritt.

Welche Figur finden Sie besonders interessant?
Die Mutter ist eine krasse Figur. Radikal, feministisch – bis hin zum Herzlosen – mit einem Hang zum Dekadenten. Sie steckte ihre Töchter ins Internat, um sie loszuwerden. Eine der Töchter hat das Gefühl, dass die Mutter absichtlich noch vor ihrem Tod das gesamte Erbe verbrät. Die Fronten sind verhärtet und schliesslich eskaliert der Streit.

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