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Ulrich Westermann in der Rolle des alternden Regisseurs Henrik Vogler.© Severin Nowacki
Theater an der Effingerstrasse, Bern

«Eine nette Episode auf dem Weg zum Tod»

Mit Ingmar Bergmans «Nach der Probe» zeigt das Theater an der Effingerstrasse ein Stück über die Möglichkeiten und Abgründe der Theaterwelt.

Veranstaltungsdaten

DO 21.10.2021 20.00
FR 22.10.2021 20.00
Rosen hängen an der Decke über der Bühne und vermitteln eine festlich-romantische Gestimmtheit, vollgeschriebene Notizblätter liegen auf dem Boden. Regisseur Henrik Vogler (gespielt von Ulrich Westermann) wirkt nachdenklich, als er seine Notizen noch einmal durchgeht. Die Premiere seiner Strindberg-Inszenierung «Ein Traumspiel» ist nicht mehr fern. Abrupt wird er in seinen Grübeleien unterbrochen, als die junge Hauptdarstellerin des Stücks, Anna, (gespielt von Annina Polivka), vor ihm steht. Unter dem Vorwand, ihren Schmuck verlegt zu haben, sucht sie die Nähe des Regisseurs.

Tragik einer Verlorenen

Langsam entwickelt sich ein Gespräch zwischen den beiden, aus dem Gespräch wird ein Spiel, bei dem Anna versucht, von Vogler mehr über ihre verstorbene Mutter Rakel, einst auch dessen Geliebte, zu erfahren. Rakel, die früher eine begnadete Schauspielerin war, hatte ihre Laufbahn für ihre Kinder aufgegeben und verfiel dem Alkohol. Nach und nach vermischen sich Gegenwart, Vergangenheit, Realität und Fantasie, und Rakel erscheint dem Regisseur wie im Tagtraum. Laut und einnehmend, gleichzeitig zutiefst verunsichert poltert Schauspielerin Karo Guthke als bereits gealterte Rakel über die Bühne. Sie fordert, fleht und flennt und möchte noch einmal eine wichtige Rolle in einem Stück Voglers bekommen und mit ihm erneut eine Nacht verleben.

Was wäre, wenn?

Als die Mutter verschwunden ist und wieder ihre junge und talentierte Tochter Anna neben Vogler steht, spielen die beiden eine potenzielle gemeinsame Zukunft durch. Wie würde es ausgehen, wenn sie sich auf 
eine Beziehung miteinander einlassen würden?

Das Kammerspiel «Nach der Probe» nach dem Fernsehspiel des schwedischen Autors Ingmar Bergman aus dem Jahr 1983 dreht sich um Schein und Sein, um das Gewesene, das stattfindende und die potenziellen Möglichkeiten derer, die sich dem Theaterkosmos verschrieben haben. Und natürlich um die ewig gleiche Thematik von mächtigen Männern und von ihnen abhängigen Frauen.


«Man beugt den Kopf vor, und der Kopf befindet sich plötzlich in einer anderen Wirklichkeit», sagt Vogler im Gespräch mit der jungen Schauspielerin Anna. Es seien diese verschiedenen Wirklichkeitsebenen gewesen, die ihn am Stück besonders gereizt hätten, erzählt Regisseur Markus Keller, Gründer und Geschäftsführer des Theater an der Effingerstrasse.

Angst vor der Vergänglichkeit

«Nach der Probe», ein später Stoff Bergmans, lässt die Figuren ums Älterwerden, die Angst vor Vergänglichkeit und Bedeutungslosigkeit rotieren. Die einst erfolgreiche Schauspielerin quält sich mit ihrem körperlichen Verfall, aber auch der erfolgsverwöhnte alternde Regisseur weiss nicht, welche Möglichkeiten er in Zukunft im Theaterbetrieb noch haben wird. Bergman selber nannte seinen Film einst «eine nette Episode auf dem Weg zum Tod».

Events zu diesem Artikel

Bühne

NACH DER PROBE von Ingmar Bergman

Regie und Bühne: Markus Keller Mit: Karo Guthke, Annina Polivka, Ulrich Westermann  DAS THEATER AN DER EFFINGERSTR ..., Bern 21.10.2021, 20.00
Bühne

NACH DER PROBE von Ingmar Bergman

Regie und Bühne: Markus Keller Mit: Karo Guthke, Annina Polivka, Ulrich Westermann  DAS THEATER AN DER EFFINGERSTR ..., Bern 22.10.2021, 20.00

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