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Bern kommt am Tanzfest in Bewegung.© Laura Hänni

Halt auf Verlangen, Verlangen nach Halt

Tanzen mit dem Publikum – wie soll das gehen, in Zeiten ohne Körperkontakt? 
Das diesjährige Tanzfest Bern findet kreative Formen, um Publikum und Tänzerinnen in Beziehung zu bringen. 

Keine Kunstform ist näher an den Berührungsängsten, Tabus und Restriktionen, die das Leben mit dem Corona­virus mit sich bringt, als der Tanz. Das diesjährige Tanzfest Bern präsentiert Formen und Formate, die die fragile Befindlichkeit in Zeiten von Social Distancing körperlich erfahrbar machen. Neben Online-Workshops, Video- und Filmstreamings finden diverse Veranstaltungen vor Ort und mit Publikum statt: «Wir suchten im Rahmen des Möglichen nach einem kreativen Umgang mit den Fragen, Nöten und Sehnsüchten des Publikums und der Tänzer – und wir wollen beide in Beziehung miteinander bringen», sagt die Tanzschaffende Irene Andreetto, die das Festival in Bern koordiniert.

Robben, Rollen, Rotieren

Um die gemeinsame Interaktion im Raum geht es im «Domino-Race», bei dem Jugendliche und Kinder eine Gruppe von Tänzerinnen begleiten, die von der Grossen Halle bis zum Waisenhausplatz robben, rollen oder rotieren. «Die Bewegung im Kollektiv und was dabei spontan passiert, steht hier im Zentrum.»Einen ganz intimen Raum hingegen bietet das Format «Entre nous im Zytglogge». Für je eine Viertelstunde wird ein Raum im historischen Turm zum Privée von Paaren, die zur eigenen Musik tanzen können – eng umschlungen oder lose verbunden.

Körper von Gewicht

Wie existenziell Tanzschaffende selber von der Pandemie betroffen sind, macht die Performance «Please, hold me» des in Zürich lebenden Choreografen Nunzio Impellizzeri in der Aula des Progr fassbar. Eine Tänzerin in einem mit langen, dehnbaren Bändern versehenen Kleid gibt sich dabei ganz in die Hände des Publikums. Die Anwesenden sind eingeladen, die Bänder zu greifen, und bestimmen mit ihrem Gewicht und ihrer Schwerkraft, ob sie die Tänzerin in ihren Bewegungen stützen, aufhalten oder sich selbst überlassen. «Wir Tanzschaffende sind angewiesen auf die Unterstützung der Öffentlichkeit. Uns fehlt oft der Raum und die Anerkennung für unsere Arbeit – nicht nur während Corona», erklärt Choreograf Impellizzeri und fügt an: «Ich glaube aber gleichzeitig, dass die Gesellschaft auch uns Künstlerinnen braucht, um selber in Bewegung zu bleiben.»

Diverse Orte, Bern
Mi., 5.5., bis So., 9.5.
• 
«Domino-Race»: Grosse Halle (Reitschule), Bern, diverse Zeiten
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«Entre nous im Zytglogge»: Zytglogge, Bern, diverse Zeiten
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«Please, hold me»: Progr Aula, Bern, diverse Zeiten
www.dastanzfest.ch/bern (
Anmeldungen sind erforderlich.)

In Thun findet ebenfalls das Tanzfest statt: www.dastanzfest.ch/thun

 

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