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Lieber Zirkus als Schule: Gleich wirbeln die Artisten durch die Manege.© ZVG
Allmend, Bern

Hineinkatapultiert in die Zirkuswelt

Der Circus Monti präsentiert mit «Cirque je t’aime!» eine Hommage an die Manege und die eigene Geschichte. Leiter Johannes Muntwyler erinnert sich an die Anfänge.


Eben sitzen noch alle brav in der Schulklasse, die sich in die Manege verirrt hat. Der Sprung durch die Wandtafel verwandelt diese Schülerinnen und Schüler in Artist*innen. Es ist, als flögen sie durch ein Tor in eine andere Welt, in die des Zirkus. Es wird getanzt, durch Reifen gesprungen oder auf Seilen balanciert.

 

So die Ausgangslage im neuen Programm des Circus Monti, das mit «Cirque je t’aime!» aus seiner eigenen Zirkusgeschichte schöpft. Johannes Muntwyler leitet heute den von seinen Eltern gegründeten Zirkus. Sein Vater Guido Muntwyler (1932–1999) war bekannt als legendärer Clown Monti. 1985 hatte er seine Tätigkeit als Lehrer definitiv hinter sich gelassen und gemeinsam mit seiner Frau Hildegard Muntwyler (1936–2019) den als Familien-AG gegründeten Circus Monti ins Leben gerufen. «Wir lehnen uns zwar an die Gründungsgeschichte des Zirkus an, aber meine Eltern kommen als Figuren nicht vor», so Johannes Muntwyler. Die Idee zu «Cirque je t’aime!» stammt von der Kanadierin Marie- Josée Gauthier, die auch Regie führte.

Ohne rote Nasen und Tiere

«Nach der unfreiwilligen Pause ist die Freude, wieder zu spielen, riesig.» Das sei dem gesamten Artistenensemble anzumerken, so Muntwyler.» Mehrere Elemente sind wichtig im Circus Monti: Akrobatik, Gruppenchoreografien, die Musik, eigens kreierte Kostüme, das Lichtdesign sowie Komik. «Der Clown mit der roten Nase und den übergrossen Schuhen existiert heute allerdings kaum noch», so Muntwyler. Doch nach wie vor sehne sich das Publikum nach humorvollen Nummern. So führen beim Circus Monti zwei clownähnliche Figuren – das Artistenpaar Olivia und Stefan Swoboda – durchs Programm.

In frühen Jahren traten auch Tiere wie Pferde oder Ziegen in der Manege auf, seit mehr als zehn Jahren verzichtet man nun aber ganz darauf. Er habe nicht grundsätzlich etwas gegen Tiere im Zirkus, so Muntwyler, aber man habe sich im Circus Monti für einen anderen Weg entschieden.

Zirkus wird theatraler

Der heutige Zirkus sei offener geworden und schliesse viele theatrale Elemente mit ein. «Dass wir für unser Programm 2013 den Innovationspreis gewonnen haben, bestärkt uns in diesem Weg», so Muntwyler. Doch der Kern bleibt: «Wir fahren von Ort zu Ort, in alle Regionen.» Auch das rot-gelbe Zirkuszelt blieb über all die Jahre erhalten. Technisch lägen allerdings Welten zwischen dem Zelt von früher und jenem heute. Das heutige Zelt ist eine Konstruktion ohne Masten. Bis auf weiteres wird darin durch die Luft geflogen und allerlei Schabernack getrieben.

Als Muntwyler selbst mit Zirkus in Berührung kam, war er bereits ein Teenager. Er wusste schnell, dass die Manege seine Welt war, und liess sich zum Jongleur ausbilden. Er trat während vieler Jahre auf. Heute steht er nicht mehr jede Saison selbst in der Manege.

Die Pause ist zu Ende

Die Pandemie hat den Zirkus hart getroffen. Im Frühling 2020 kam alles zum Stillstand, auch die Zeltvermietung und das im Winter betriebene Variété im aargauischen Wohlen, wo der Hauptsitz des Zirkus liegt. Nach zwei Jahren Pause gastieren Muntwyler und seine Zirkuscrew wieder in Bern.

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