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Langensand nimmt die Kinder mit auf die Bühne und thematisiert das Problem, dass Erziehungsmethoden ungefragt kritisiert werden. © ZVG
Tojo Theater der Reitschule, Bern

«Hoffentlich seid ihr heute Abend herzig»

Ist es übergriffig, seine Kinder mit auf die Bühne zu nehmen? «Chi 2» der Luzernerin Nina Langensand ist ein Versuch schonungsloser Ehrlichkeit.

 

«Als ich schwanger war und seit ich Kinder habe, werde ich Blicken und Kommentaren ausgesetzt. Etwa letztens im Zug, als jemand meinte: ‹Arme Kinder; telefonieren Sie weniger, kümmern Sie sich besser um Ihre Kinder›.» Dies berichtet die Schauspielerin Nina Langensand. Sie erzählt auch von einem Zwischenfall, als sie wegen des Gefühls, ihr Kind atme irgendwie anders, ins Spital fuhr. Zögerlich – aus Angst, sie könnte als überbesorgt wahrgenommen werden. Tatsächlich hatte das Kind ein Stück Wachs aspiriert.

Lohn für die Kinderbetreuung

Aus diesen und weiteren Erlebnissen rund um die öffentlichen Meinungsbekundungen über ihre Fähigkeiten als Mutter entstand die Idee für ihr Theaterstück «Chi», uraufgeführt 2017. Wie beim Vorgänger sind auch bei ihrem neuen Stück «Chi 2» die Kinder auf der Bühne anwesend. «Sie sind da, müssen aber nichts leisten», so die 37-Jährige. Einfach aufgebaut aus den drei Elementen Musik (Philipe Burrell), Text, der sich immer wieder ändert und mit viel Improvisation auskommt, und der Präsenz der Kinder, hat das Stück, ein Versuch radikaler Ehrlichkeit, eine grosse Schlagkraft: Ist es in Ordnung, die Kinder auf die Bühne mitzunehmen? Ist es übergriffig? Langensand sagt dazu: «Mir gefällt es, dass ich auf der Bühne für einmal einen Lohn dafür bekomme, Zeit mit meinen Kindern zu verbringen.» Und genau darum, dass man sich als Zuschauerin dabei ertappen könnte, wie man die Schauspielerin verurteilt, geht es im Text.

Unterschiedliche Reaktionen

Meistens gebe es drei unterschiedliche Reaktionen auf das Stück: Ein Teil sei berührt und dankbar für das Ansprechen von Tabu­themen. Ein anderer Teil sei wütend und finde, sie nehme sich viel zu viel heraus. Und einige würden sich Sorgen um sie machen, wie Langensand sagt.

«Hoffentlich seid ihr heut Abend herzig, nicht zu herzig, sondern auch ein bisschen frech, aber nicht so fest, dass man denkt, mit euch stimmt etwas nicht», sagt Langensand zu Beginn des Stücks.

Die Vorstellungen mussten leider abgesagt werden.

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