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Renate Wünsch hat die zwei Alter Egos DeeDee Jane und Divine Cate für sich kreiert. © Yoshiko Kusano
Heitere Fahne, Wabern

«Ich orchestriere das Timing an den Plattentellern»

Renate Wünsch ist seit gut 30 Jahren in der Berner Freien Szene als Bühnen- und Kostümbildnerin und als DJ Kami Katze präsent. In der Heiteren Fahne zeigt sie ihr Solostück «Die Kami Katzen». Im Interview spricht sie über Alter Egos und Protestsongs.

Renate Wünsch, wann und warum hat sich DJ Kami Katze dupliziert – zu den antagonistischen Bühnenfiguren DeeDee Jane und Divine Cate?
Schon länger wollte ich wieder ein Solo machen und habe bei der Themensuche gemerkt, dass mein DJ-Name starkes Potenzial hat. Die Mischung aus Musik, unabhängigem, freiheitsliebendem Tier und dem fremdgesteuerten japanischen Selbstmordattentäter bietet Platz für Spannung und Reibung. Und die Katzen­figuren eignen sich gut zum comicartigen Überzeichnen. Das führte zur Idee, der Frage nachzugehen, wie weit jemand für seine Überzeugung geht.

Wie ist die Beziehung zwischen den zwei Alter Egos?
Sie wetzen ideologisch die Krallen. Sie kennen sich von früher, waren befreundet und hatten dieselbe politische Haltung. DeeDee Jane glaubt an die gewaltfreie, zeitlose Kraft der Kunst, an Protestlieder. Divine Cate aber will ein richtiges Zeichen setzen, will etwas in die Luft jagen. Ihre Einstellung hat sich über die Jahre verschärft und radikalisiert.

Der Autor und Journalist Tom Kummer hat den Stücktext geschrieben. Wie kam es dazu?
Seine Dialoge gefallen mir. In der Kunsthalle hörte ich ihn seinen Text «Die Brücke» lesen, darin spielt auch die Musik eine wichtige Rolle. Das und der Fakt, dass wir ähnliche Bezüge und Referenzen machen, hat den Ausschlag gegeben.

War Kummer auch beteiligt an der Stückkonzeption?
Figuren, Charaktere und Rahmengeschichten habe ich definiert, auch war mir schon früh klar, welche Lieder vorkommen müssen. Von diesem Rahmen ausgehend hat er dann viel Schwung in die Geschichte reingebracht – es fliegen die Fetzen. Die dritte Figur, Dr. Feelgood, Vertreterin eines Pharma-Grosskonzerns, der Katzenfutter pimpt, von dem DeeDee Jane abhängig ist, hat er eingebracht. Für die Regie kam dann Meike Schmitz dazu.

«Die Kami Katzen» werden als «szenisch animiertes Objekt­theater-Hörspiel» angekündigt und als «One-Woman-Resisdance-Show» – geht es etwas konkreter?
Mein einziger Rahmen für das Solo waren meine Fähigkeiten. Da ich nicht Schauspielerin bin, aber Bühnen- und Kostümbildnerin und DJ, bot sich etwas im Dazwischen an. So entstand ein Stück mit Objekten auf dem Plattenspieler, mit auf Platten gepressten Dialogen der drei Protagonistinnen, die ich live zu einem Hörspiel abmische und mit Musik kombiniere. Ich orchestriere das Timing an den Plattentellern – fast wie eine Zirkusnummer. Darum zeige ich das Stück nicht nur auf Theaterbühnen, sondern auch in Konzert- oder Partylokalen.

Die Show wird als «DJ-Set mit Katzenmusik» angekündigt – was soll man sich darunter vorstellen?
Musik auf Vinyl, die ich über Jahre gesammelt habe und mit dem Thema Katzen zusammenhängt. Aber meine Setlist verrate ich nicht vorab.

Die Figuren geraten sich wegen unterschiedlicher Protestideale in die Haare. Was ist für Sie ein Protestsong?
«The Revolution Will Not Be Televised» von Gil Scott-Heron, ein expliziter, schwarzer Rap über Rassenungleichheit. Das ist für mich viel radikaler als eine Joan Baez, deren Protestlieder sind mir zu romantisch. Und natürlich «Bella Ciao» – ein immer wieder verwendetes und umgedeutetes Protestlied gegen soziale Unterdrückung, das vor über 100 Jahren in der Po-Ebene von Reispflückerinnen erfunden wurde.

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