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Cloetes Freude am Spiel des bösen Geistes als Peter Quint in «The Turn of The Screw».© Annette Boutellier

Der spielfreudige Sänger

Konzert Theater Bern vollzieht diesen Sommer grosse personelle Veränderungen im Bühnenensemble. Auch der Tenor Andries Cloete muss per Ende dieser Spielzeit nach 15 Jahren das Haus verlassen.

Ein Hirte, ein Liebhaber, ein Fürstensohn, ein römischer Gott, ein Herzog – die Liste an Rollen, die der südafrikanische Tenor Andries Cloete seit 2006 als festes Mitglied im Musiktheaterensemble von Konzert Theater Bern verkörperte, könnte noch lange fortgeführt werden. Mit seiner un­­­ver­­­kennbaren, hellen Stimme und seiner dynamischen Bühnenpräsenz hat sich der Sänger über 15 Jahre in die Herzen des Berner Opernpublikums gesungen und gespielt.

«All die Rollen, die jede neue Spielzeit mit sich brachte, sind für mich wie Kapitel in einem Buch», sagt Cloete. Manche Seiten schlägt er in der Erinnerung besonders gerne wieder auf. Zum Beispiel sei für ihn die Rolle des Peter Quint in der Oper «Turn of the Screw» von Benjamin Britten, die 2017 in den Vidmarhallen zu erleben war, ein persönliches Highlight gewesen: «Die Produktion hatte eine magische Atmosphäre, und es hat mir viel Spass gemacht, den bösen Geist zu spielen», sagt er. Überhaupt finde er es reizvoller, einen bösen, aber vielschichtigen Charakter zu gestalten als einen guten. Die Darstellung des Don Ottavio in Mozarts «Don Giovanni» etwa habe er insofern als «schwierig» empfunden, als dass dieser einfach nur «rein» war.

Pianist, Arzt, Opernsänger

Die Opernbühne war aber nicht die erste Station in Cloetes beruflicher Laufbahn. Während er in einem kleinen Dorf in Südafrika aufwuchs, hegte er zunächst den Traum, Pianist zu werden. Er absolvierte ein Medizin­studium und arbeitete anschliessend einige Jahre als Arzt. Daneben nahm er Gesangsunterricht, und 2001 engagierte ihn das Opernhaus Graz nach einem Vorsingen als festes Ensemblemitglied. Nach vier Spielzeiten in Graz kam er dann ins Stadttheater Bern.

«Fledermaus» und «Otello» in petto

Diese Festanstellung geht jedoch diesen Sommer zu Ende, da sein Vertrag infolge einer grösseren Umstrukturierung nicht verlängert wurde. «Im Theater hängt über allen stets ein Damoklesschwert, aber dennoch war ich emotional nicht wirklich darauf vor­bereitet, als es bei mir fiel», sagt der Sänger. Zurzeit habe er noch keine konkreten Pläne, was nach Konzert Theater Bern kommen könnte. Bevor er jedoch eine Rückkehr in die Medizin als reale Option in Betracht zieht, möchte er weiterhin sein Glück in der Musik und im Theater versuchen: «Ein neues Festengagement an einem Opernhaus wäre ideal, aber vielleicht gelingt es mir ja auch, als freiberuflicher Sänger in der Region Fuss zu fassen», sagt er. Sollten es die behördlichen Anordnungen erlauben, so besteht bis Ende dieser Spielzeit noch die Chance, Andries Cloete in «Die Fledermaus» und «Otello» zu erleben.

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