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Auch privates Filmmaterial ist Teil der Performance von Moschini und Popall. © ZVG
Dampfzentrale, Bern

Mama, Motte, Monster

Das Duo Moschini/Popall zeigt in der Dampfzentrale «When Mama was Moth I took Bulb Form», eine Performance über das Glück und Drama von Mutter und Kind. Es geschieht allerlei Wunderliches 
auf der Bühne im Turbinensaal der Dampfzentrale. Die beiden Performerinnen Marie Popall und Natascha Moschini proben ihr Stück mit dem sperrigen Titel «When Mama was Moth I took Bulb Form» – was sich auf Deutsch mit «Wenn Mutter eine Motte war, wurde ich zur Glühbirne» – übersetzen lässt. Eine Motte, die sich vom Licht angezogen fühlt: Ein starkes Bild für die komplizierte Beziehung zwischen Mutter und Kind. Entlehnt ist der Satz einer Songzeile aus einem Lied der schottischen Cocteau Twins, die in den 80er- und 90er-Jahren von New Wave und Punk inspirierten Sound machten.

Lust und Leid

Die Schauspielerin Marie Popall, in Berlin ausgewachsen, und die aus Stuttgart stammende Tänzerin Natascha Moschini lernten sich in Bern kennen. «Wir wohnten gemeinsam in einer WG und arbeiteten beide im Lehrerzimmer als Kellnerinnen», so Popall. Die Freundschaft sei über die gemeinsame Arbeit gewachsen. Das Stück ist die zweite abendfüllende Produktion des Duos. 2017 zeigten sie mit «A Lover’s Bath» ein Stück rund um Lust und Leid. Ein Kühlschrank diente den beiden damals als 
Requisite und anspielungsreiches Sinnbild. Erste gemeinsame Kurz­arbeiten präsentierten Moschini und Popall im Rahmen des Performance­Festivals «Bone». Popall hat an der Hochschule der Künste in Bern Theater, Moschini zeitgenössischen Tanz in Antwerpen und Hamburg studiert. Was passiert, wenn eine Schauspielerin und eine Tänzerin gemeinsam performen? «Wir treffen uns in der Mitte», so Popall, «Tanz, Körper, Sprache, Text – das sind für uns Materialien, die wir in den Raum stellen und damit experimentieren.» Der leitende Dramaturg Thomas Schaupp ergänzt: «Es entsteht eine neue künstlerische Sprache, die über die jeweiligen Genres hinausgeht.»

Abhängigkeit und Abgründe

Was damit gemeint ist, wird bei einem Probebesuch deutlich. «Alles ist grün, am Baum hängt eine Schaukel und ich schaue nach oben.» Popall spricht einen suggestiven Text, wohl eine Kindheitserinnerung, in ein Mikrofon, während Moschini eine Formation von Kissen durch den Raum schiebt. Private Videoarchive, ebenso wie Erfahrungen, die sie teilen, dienen den beiden als Inspirationsquelle. Das Thema Mutter und Kind wird mal poetisch, mal drastisch verhandelt, wobei es keine klare Rollenaufteilung gibt. Manchmal sprechen die beiden gar synchron, unheilvolle Worte, die familiäre Abgründe offenlegen. «Wir entwickeln unsere Themen jeweils aus der Erfahrung der vorangehenden Arbeit heraus », erklären die beiden.

Symbiosen und Stimmen

En ihrem Stück «Soft Tissue» (2019) – in dem es unter anderem um Körperlichkeit und sexualisierte Gewalt ging – hätten sich bereits Fragen über Abhängigkeit und Verantwortung im Kontext der Familie herauskristallisiert.
Auch für das Symbiotische der 
Mutter-Kind-Beziehung finden die beiden ungewöhnliche Bilder. Als die eine die andere hochhebt, entsteht eine Figur, die an Michelangelos «Pietà» denken lässt. Mal stützen sie einander, mal straucheln sie, mal verhaken sie sich ineinander. Mit wenigen Requisiten entstehen Bilder, die fremd und vertraut zugleich wirken. Mutationen und Zweckentfremdungen sind Programm in diesem Stück. Moschini etwa schlüpft in eine Daunenjacke und verleiht dieser ein Eigenleben. Livemusik – es kommt ein E-Bass zum Einsatz – und dröhnender Sound, der dem auf der Bühne stehenden Laptop entspringt, ergeben eine eigenwillige Soundkulisse. Beide setzen ihre Stimmen ein.

Sonnenstich und Schneegestöber

Von Sonnenstich und Schneegestöber singt Moschini, während Popall «And when winter comes along you need your winter shoes» ins Mikrofon haucht. Die eigene Kindheit fliegt einem um die Ohren, während man diesen vielseitigen Künstlerinnen zuschaut.

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