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«Bestien, wir Bestien» handelt von möglichen Zukunften der Frauen*. © Zoé Clemence
Vidmar 1, Liebefeld

Morgen mit Mutter Gaia

Die Schriftstellerin Martina Clavadetscher hat für Bühnen Bern «Bestien, wir Bestien» geschrieben – ein zukunftsgerichtetes Stück, das weder Dystopie noch Utopie sein will. Zur Uraufführung bringt es Regisseurin Franziska Autzen.  

Veranstaltungsdaten

SA 04.02.2023 19.30
MI 08.03.2023 19.30
FR 14.04.2023 19.30
FR 02.06.2023 19.30

Netzartige Konstruktionen ziehen sich über die Bühne, auf der Franziska 
Autzen gerade Lichtproben durchführt. Der literarische Stoff, den sie inszeniert, kommt von der Dramatikerin Martina Clavadetscher, die 2021 für ihren Roman «Die Erfindung des Ungehorsams» mit dem Schweizer Buchpreis ausgezeichnet wurde.
Während sie dort das Zusammenleben von Menschen und Maschinen neu denkt, untersucht Clavadetscher mit «Bestien, wir Bestien» Fragen rund um die Reproduktion in der Zukunft. Und entwickelt zwei Szenarien, «die aber nicht unbedingt als getrennt, sondern eher als Zyklus, als Kreislauf des Lebens verstanden werden können», so Autzen, «denn vor jeder Generation gab es bereits eine andere Generation».

Die Welt wuchert

Im ersten Szenario werde «die Wende geschafft». «Die Welt wuchert weiter. Und wir alle wuchern in ihr. Das nennt man Leben», heisst es im Stück. Die grossen Katastrophen wurden verhindert. Frauen* funktionieren in matriarchalen Strukturen, ähnlich wie in einer Ameisen-Kolonie. Geburten werden kontrolliert, reguliert und dienen einzig dem Erhalt der Gemeinschaft. Welche Rolle Männer* darin noch spielen, bleibt unklar. Die Kolonie huldigt Gaia und versteht die Erde und ihre Biosphäre als ein Lebewesen.
«Wenn sich eine Schauspielerin im Geflecht auf der Bühne bewegt, dann spüren das alle anderen auch», erklärt Autzen das netzartige Bühnenszenario, in dem diese erste Zukunft spielt. «Ein Gewebe ist durchlässig und trotzdem ein in sich geschlossenes System. Die einen fühlen sich darin sicher und aufgehoben, die anderen eingesperrt und beobachtet». Aber was soll denn überwacht werden, wenn doch alles gut ist? «Gefahren von aussen und vielleicht die Menschen, die nicht komplett im Kollektiven aufgehen», erklärt die Regisseurin, «die Solitären.»

Woher dieser Hunger?

Eine solche ist Roma, die sich aus Gründen, die sie selbst nicht benennen kann, eine Schwangerschaft wünscht: Einen verbotenen Akt der Individualisierung. «Ein bekannter Hunger reisst ein Loch in ihren Unterleib», sagt der Stücktext. «Aber woher kommt dieser Hunger? Was ist der Kern? Was treibt uns an?», fragt Autzen. Von diesem diffusen Verlangen rühre auch der Titel der Produktion, «Bestien, wie Bestien». Der zweite Teil des Stücks zeichnet ein weitaus pessimistischeres Bild. Die Geburtenrate ist rapide gesunken und die Fruchtbarkeitsforschung die letzte Hoffnung. Angelehnt an Phyllis Dorothy James Science-Fiction-Triller «The Childern of Men» scheint hier das Aussterben der Menschheit unabwendbar und Massensuizide gehören zur Endzeitordnung. Eine absolute Dystopie also?
Autzen verneint. «Auch in diesem Szenario gibt es einen Lichtblick. Selbst die sogenannte Dystopie birgt Hoffnung».
Dass Autzen, die seit der Spielzeit 2019/2020 als Hausregisseurin am 
Theater Konstanz wirkt, für eine Produktion angefragt wurde, die den weiblichen Körper in den Fokus rückt, kommt nicht von ungefähr. Sie hat einige feministische Produktionen erfolgreich umgesetzt, so etwa Liv Strömquists Comic «Der Ursprung der Welt». Autzens Bühnenadaption dieser Kulturgeschichte der Vulva war bei Schauspiel Hannover zu sehen.
Von der Vorlage zu «Bestien, wir Bestien» war sie augenblicklich in den Bann gezogen. «Ich liebe Martina 
Clavadetschers Versuchsanordnungen von Gesellschaften, Menschen, Umständen, Welten. Sie spielt mit dem Prinzip ‹was wäre wenn›. Das gibt mir 
viele Möglichkeiten, viele verschiedene Sichtweisen an die Hand, die ich durchspielen kann.

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