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Melodie Burri als Cowboy Frank Dunham und Elena Mauerhofer als Cowboy Morrie Hartford.© Jonas Hirschi
Kulturhof Schloss Köniz

Vernünftige Cowboys

Die Theater-Chor-Koproduktion «7 Cowboys» von Projekt 210 und Suppléments musicaux spielt mit den Klischees des Wilden Westens. Darin muss ein Gouverneur lernen, dass er nicht zurückholen kann, was es nie gab.
Er spuckt Kautabak, trinkt ganze Whiskeyflaschen in einem Zug leer und rollt sich gelassen seine Zigaretten. Wenn es sein muss, dann zieht er seine Pistole. Für seine Liebe, die er im Bordell kennenlernte, würde er ganze Prärien durchqueren, allein und heimatlos auf seinem loyalen Pferd, stets in Richtung Sonnenuntergang. Das ist der Cowboy, der den Wilden Westen zu dem macht, was er ist.

Zu diesem Wilden Westen möchte der frisch gewählte Gouverneur Gunderson im Stück «7 Cowboys» wieder zurück. Denn früher, da war alles besser. Heute, da sind die Cowboys vernünftig, ja sogar etwas ängstlich. Um die Vergangenheit wieder heraufzubeschwören, macht er sich ein klischiertes Feindbild: den mexikanischen Banditen Gabriel Arroyo. Er hofft, ganz in der Art des klassischen Western, dass alles wieder gut wird, wenn er den Bösewicht zur Strecke bringt.

Romantik auf die Schippe genommen

Die Theater-Chor-Produktion «7 Cowboys» von Riccardo Legena nimmt sich die romantisierte Vergangenheit vor und spielt mit dem klischierten Bild des Wilden Westens. Denn im Stück, bei dem Jonas Hirschi Regie führt, gibt es keine grossen, blonden Cowboys, der Bösewicht hat keine gnadenlose Bande hinter sich, und auch sonst scheint dieser Arroyo nicht wirklich kaltblütig zu sein. Irgendwie ist nichts so, wie es uns Ringo Kid, Lucky Luke oder Lone Ranger gelehrt haben.

Der grösste Klischeebruch sei, dass alle Cowboys von Frauen gespielt werden, sagt Regieassistentin Nora Steiner. «Das Stück spielt mit den als typisch männlich und weiblich codierten Verhaltensweisen. Bis zum Schluss ist nicht klar, ob nun da Schauspielerinnen in einer Hosenrolle stecken, die weibliche Cowgirls darstellen oder ob das Geschlecht unwichtig ist.» So verschwimme in «7 Cowboys» Realität und romantisierte Vorstellung. «Frauen hatten zu dieser Zeit nicht nur Nebenrollen inne, wie es im Western-Genre dargestellt wird. Sie waren emanzipiert und stark, konnten reiten, schauten zu den Kühen und waren selber fähig, eine Kutsche zu lenken», sagt Steiner.

Singendes Bühnenbild

Das Berner Vokalensemble Suppléments musicaux, geleitet von Moritz Achermann, fungiert als Chor und Bühnenbild zugleich, wenn es mithilfe von Brettern verschiedene Szenerien darstellen. Etwa die vorbeiziehende Landschaft, wenn sie Kakteen aus Karton in den Händen halten und an den in einer Reitbewegung versunkenen Cowboys vorbeihuschen. Zusätzlich beschwören Luka Mandic und Nicolas Wolf mit Gitarre und Perkussion die Western-Atmosphäre herauf. Aber auch hier wird mit einer Diskrepanz gespielt, wie Steiner sagt: «Die Musik mag eine abenteuerliche Western-Szene prophezeien, doch ist es wirklich das, was sich auf der Bühne abspielt?»

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