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Sie trauen sich, ins kalte Wasser zu springen: Diego Valsecchi und Milva Stark.© ZVG

«Wir haben ständig geflirtet»

Milva Stark und Diego Valsecchi haben sich im Ensemble von Konzert Theater Bern kennen- und lieben gelernt. 
Inzwischen sind die beiden Berns bekanntestes Schauspielerpaar und mischen nun die Freie Szene auf mit Kabarett, Poetry Slam oder Podcasts.

Milva Stark und Diego Valsecchi, Sie sind Berns bekanntestes Schauspielerpaar. Sind Sie eigentlich verheiratet?
Milva Stark: Wir haben sechs Wochen, bevor unser Kind geboren wurde, standesamtlich geheiratet und dann haben wir anderthalb Jahre später im Ruhrgebiet …
Diego Valsecchi: Party gemacht.
M.S.: Genau. Da komme ich ja her. Aber natürlich sind auch die Schweizer Freunde angereist. Beide Male habe ich in Weiss geheiratet. Einmal mit Babybauch …
D.V.: Und beim nächsten Mal ist das Baby schon rumgerannt.

 

Sie haben angeblich beide am gleichen Tag Geburtstag …
M.S.: Wir sind beide am 12.12.1982 geboren. In der gleichen Stunde.
D.V.: Milva um 15 Uhr 25 und ich um 15 Uhr 45.

Wie haben Sie sich eigentlich kennengelernt?
M.S.: Ich war in Berlin auf der Schauspielschule und Diego in München. Und dann sind wir beide am Konzert Theater Bern engagiert worden.
D.V.: Ich 2007 und du …
M.S.: Ich bin 2008 nach Bern gekommen, und dann sind wir aufeinandergetroffen. Wir waren fast zwei Jahre lang nur Kollegen.
D.V.: Wir waren lange Kollegen, die sich sehr gut verstanden haben.
M.S.: Das muss man schon sagen, dass Diego und ich uns vom ersten Moment an sehr gemocht haben. Wir konnten immer zusammen lachen und haben auch ständig ein bisschen geflirtet.
D.V.: Das Lustige war ja, dass wir am Anfang praktisch keine Produktionen zusammen hatten und wenn, dann hatten wir keine gemeinsame Szene. Und als wir schliesslich zusammen waren, haben wir in fast jedem Stück ein Paar gespielt. Dabei konnte der damalige Schauspielleiter Erich Sidler nicht ahnen, dass wir tatsächlich ein Paar sein würden, als er die Besetzungen machte.
M.S.: Es waren aussergewöhnliche Paare, die wir gespielt haben. Ich war beispielsweise Parzival und Diego meine Geliebte.

Das Ensemble wusste nicht, dass Sie ein Paar sind?
M.S.: Sie wussten es relativ rasch. Bern ist ja eine kleine Stadt. Und dann gab es diesen Moment, wo wir uns ganz frisch verliebt auf dem Fahrrad an den Händen fassen wollten und ich drehte mich nochmals kurz um und Erich Sidler fuhr auf dem Fahrrad ­hinter uns her. Er hat den Braten ge­rochen.
D.V.: Manche im Ensemble sagten: «Na, endlich. Wussten wir es doch.»

Welche Rollen haben Sie besonders geprägt?
M.S.: Bei mir war es zum Beispiel die Amme in «Romeo und Julia». Ich habe einen Preis für diese Rolle bekommen beim Schauspieltreffen und war dankbar für diese Figur. Aber im ersten Moment war ich sauer …

Sie hätten gerne die Julia 
gespielt?
M.S.: Klar, alle wollten die Julia spielen. Niemand wollte die doofe Amme sein. Schliesslich entpuppte sich die Figur als Glücksfall. Ich konnte das Komödiantische sehr gut füllen. Das Timing, die Haltung – die Figur hat mir gelegen.
D.V.: Ich finde, jede Rolle fügt etwas zu deinem Schauspielerleben hinzu. Das finde ich so schön bei älteren Kolleginnen und Kollegen. Die tragen so viel Literatur in sich. Es gibt natürlich auch bei mir Meilensteine wie «Woyzeck». Oder das erste Kabarett-Programm, das ich zusammen mit Pascal Nater geschrieben habe.

Diego Valsecchi, Sie mussten 2012 das Ensemble von Konzert Theater Bern verlassen. Ihre Partnerin durfte bleiben. Wie war das?
M.S.: An dem Abend, als wir das erfahren haben, haben wir sehr viel geweint.
D.V.: Aber auch sehr viel gelacht. Für mich war es schon richtig so. Ich wusste, dass ich mit Kabarett weitermachen wollte. Es hat mir den Schub gegeben, mit Pascal Nater nach dem ersten gleich das zweite Programm zu realisieren.
M.S.: Abgänge gehören in diesem Business dazu. Diegos Kündigung war die bessere Variante als umgekehrt. Er hatte viel mehr Gründe, in der Schweiz zu bleiben. Er hatte Ideen, wie er als Freischaffender weitermachen will. Ich war auch noch nicht so zu Hause in Bern. Wir haben uns damals auch für unsere Beziehung entschieden. Das ich am Haus bleiben durfte, war ein Geschenk für uns.
D.V.: Ich hätte auch weiterziehen können, entsprechende Angebote in Deutschland gab es. Wir wollten aber keine Fernbeziehung.
Mittlerweile sind Sie beide stark in Bern verwurzelt …
M.S.: Es ist auch einfach eine tolle Stadt. Uns geht es extrem gut hier.

Nun müssen auch Sie, Milva Stark, auf Ende Saison den Hut nehmen. Wie geht es für Sie weiter? War es ein Schock?
M.S.: Ich hätte die Entscheidung so nicht getroffen, aber als sie getroffen wurde, hat das bei mir einen Energieschub ausgelöst. Es ist gut, wenn etwas Neues kommt. In dieser Saison habe ich noch einige schöne Aufgaben vor mir. Ich werde die Schildkröte im Weihnachtsmärchen «Momo» und den Diktator Kim Jong-Un in «Mein Sommer mit Kim» spielen. Und natürlich würde ich mich jederzeit freuen, bei Konzert Theater Bern als Gast zu arbeiten. Ich habe heute zu Diego gesagt, ich hätte ein Zitat, das wir unbedingt unterbringen müssten, weil es so gut zu uns passt.

Legen Sie los …
M.S.: «Stillstand ist der Tod. Geh voran bleibt alles anders.» Ich finde, es passt zu uns, weil wir uns trauen, ins kalte Wasser zu springen und neue Dinge auszuprobieren – Lesungen, Poetry Slam oder Podcasts.

Ihr Podcast ist während des Lockdowns entstanden. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?
D.V.: Wir haben schon vor einem Jahr gesagt: «Lass uns einen Podcast zusammen machen, irgendwann.» Vor dem Lockdown mussten wir in Quarantäne, weil unsere Kinderärztin Corona hatte. Dann habe ich gesagt: «Jetzt machen wir den Podcast!»
M.S.: Wir wussten, dass jetzt etwas Grosses passiert. Darüber werden wir unser Leben lang reden. Wir dachten: Lass es uns festhalten, wie ein Tagebuch, nur öffentlich. Daraus entstand «Neulich bei Schauspielers».

Sie geben dabei Einblick in die Beziehung. Gibt es eigentlich einen Culture Clash zwischen der deutschen und der Schweizer Mentalität?
D.V.: Ja. Dem Klischee entsprechend ist Milva viel direkter.
M.S.: Ich fordere das Geradlinige ein, das ist richtig.
D.V.: Diese Ruhrpottmentalität kann manchmal ganz schön ruppig sein. Damit kommen nicht alle klar.
M.S.: Ein raues Pflaster, das stimmt. Man kann da auch mal verprügelt werden, wenn man jemanden schief anschaut. Das wäre mir um ein Haar mal passiert, als ich 13 war.

Was mögen Sie am Spiel des anderen?
M.S.: Wenn er singt, verliebe ich mich jedes Mal aufs Neue. Und ich liebe es, wenn Diego Komödien spielt. Ich liege unter dem Tisch vor Lachen.
D.V.: Das Kompliment gebe ich zurück. Ich sage ja immer …
M.S.: Nein, du darfst auf keinen Fall sagen, was du immer sagst.
D.V.: Dafür schämt sie sich. Ich sage immer, sie gehört zu den besten Schauspielerinnen Europas. Das ist wirklich meine Meinung.

Gibt es Figuren, die Sie gerne noch spielen möchten?
M.S.: Das Paar in «Wer hat Angst vor Virginia Woolf», das wollen wir irgendwann zusammen spielen. Aber dafür sind wir noch zu jung.
D.V.: Stimmt. Da müssen wir noch reinwachsen.

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