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Mylia ist vorerst überfordert von der Aussenseiter-Allianz mit einem indigenen Schulkollegen - und dem Versuch, dazuzugehören.© Outside the Box

Adoleszenz, unverklärt

«Une colonie», das Langspielfilmdebüt von 2018 der Kanadierin Geneviève Dulude-De Celles, feiert Online-Premiere. Es ist ein Coming-of-Age-Film ohne Verklärungen über den Kampf für Zugehörigkeit auf mehreren Ebenen, der das Genre neu definiert.

Die Schule – das heisst primär erdrückender Lärm. Für die Teenagerin Mylia (Émilie Bierre) heisst Schule auch den Kopf ducken, sich in Pausen in einer stillen Ecke verkriechen, an den Leib gepresste Hefte und Angst vor Zurückweisungen. Bemerkungen von Mylias kleiner Schwester Camille (Irlande Côté), sie ist ihre engste Vertraute, machen aber deutlich, dass sich Mylia langsam wieder aufrappelt vom Mobbing in der Schule. Gleichzeitig scheint es zwischen den Eltern zu kriseln. Details lässt die Regisseurin im Dunkeln, der Fokus liegt vielmehr auf den Versuchen Mylias, wieder Vertrauen zu fassen.

Das Versagen der Schule

Zaghaft ergeben sich an der Sekundarschule neue Kontakte – mit Jacinthe, einer frühreifen Plappertasche, die nur Partys, Sex, Jungs und Nagellack im Kopf hat – und mit Jimmy (Jacob Whiteduck-Lavoie), einem Jungen, der im angrenzenden indigenen Abenaki-Reservat lebt. Die zwei könnten unterschiedlicher nicht sein. Mit der Figur von Jimmy rückt die kanadische Regisseurin Geneviève Dulude-De Celles das Thema der kanadischen «First Nations» ins Zentrum, die in separaten Communities leben. Im Geschichtsunterricht wird das Thema der kanadischen Nationenbildung, respektive der Kolonialisierung der Indigenen durchgenommen. Mylia, die neben Jimmy sitzt, sieht sich mit seiner heftigen Reaktion konfrontiert. Auch die weisse Lehrerin, zeigt sich unfähig, wenn nicht gar unwillig, Jimmys Position aufzugreifen oder auch nur zu thematisieren. Die Schule als Ort der jugendlichen Entfaltung versagt hier auf ganzer Linie. Während Jimmy rebelliert und sich verteidigt, kann sich Mylia nicht durchringen, zu ihm zu stehen. Die Vorstellung ihrer Aussenseiter-Allianz mit Jimmy paralysiert sie vorerst.

«Une colonie», das Langspielfilmdebüt von Dulude-De Celles gelingt es, Coming-of-Age-Filme und damit Adoleszenz-Erzählungen nicht zu verklären – sondern sie in einem gesellschaftlichen Kontext zu verorten. Ein Film, der ähnlich wie «Tarde para morir joven» der chilenischen Regisseurin Dominga Sotomayor, das Genre neu definiert.

Streaming on Demand (Partnerkinos Rex und Quinnie, Bern)
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