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zenen eines turbulenten Familienlebens: Liz, Ray und ihre zwei Söhne.© Xenix Film
Kino Rex, Bern

«Da war so ein grosses visuelles Vokabular»

«Ray & Liz» ist der erste Spielfilm des britischen Künstlers Richard Billingham. Er erzählt die Geschichte seiner Familie, die im von Arbeitslosigkeit geprägten Black Country am Rande Birminghams ein hartes Leben führt.

Die Bilder Ihres zahnlosen Vaters und Ihrer übergewichtigen, Puzzle spielenden Mutter machten Sie bekannt. Ist das nicht unglaublich privat, was Sie damals zeigten - und auch heute mit dem Film?
Es kommt immer darauf an, wie man Fotos einsetzt und das Bild macht. Man kann Fotos ja auch benutzen, um eine Person oder die Privatsphäre zu schützen. Ich zeige nicht alles, wähle aus. Es ist meine Arbeit. Ich sehe dies als etwas Eigenständiges.

In «Ray & Liz» sieht man viele Close-ups und langsame Kamera­bewegungen – war das eine künstlerische Entscheidung, die Bilder eher wie Fotos einzufangen?
Nein. Viele Teile des Filmes wurden in sehr kleinen Räumen gedreht. Die Menschen sitzen, niemand rennt rum. Es wäre unpassend hier mit schneller Kamera zu arbeiten. Das Set dirigierte die Kameraeinstellung.

1996 erschien Ihr Fotoband «Ray’s a Laugh», welcher Ihre Eltern und Ihr Leben in der kleinen Blockwohnung zeigt. Inspiration für die Filmkulisse?
Auch. Für den ersten Teil des Filmes, wo Ray alleine im Zimmer ist, schläft, raucht und trinkt, egal ob Tag oder Nacht, und nie raus geht, haben wir eine Wohnung im selben Haus meiner Jugend angemietet und den Raum akkurat nachgebaut. Aber aus meiner Kindheit habe ich keine Fotos. Da habe ich nur meine Erinnerungen. Und Tonbandaufnahmen.

Wie der kleine Richard im Film?
Genau. Ich habe als Kind viele Stimmen und Klänge aufgenommen. Die konnte ich alle wieder hören. Durch das Aufarbeiten lernte ich viel über den historischen, politischen und kulturellen Kontext, in welchem sich meine Familiengeschichte abspielte und ihr Leben beeinflusste.

Was war Ihre Motivation, nach so langer Zeit zurück in die eigene Kindheit zu reisen?
Genau diese Erinnerungen bildlich festzuhalten. Ich habe einen festen Job. Eine Frau. Ich habe drei Kinder. Die gehen auf eine gute Schule. Ihnen wollte ich versuchen zu zeigen, wie ich selber aufgewachsen bin. Das sind Welten. Du kannst jemandem erzählen, wie es war. Aber mit dem Film kann ich es nun auch zeigen.

Es heisst, Sie hätten die Kamera damals als eine Art Mediator benutzt, um mit Ihren Eltern zu kommunizieren.
Hätte ich nicht die Kamera benutzt, hätte ich sie wohl nicht so oft besucht. Die Kamera hat mich immer wieder zurückgeführt. Ich mochte es, meine Eltern und ihr Umfeld durch dieses Mittel anzuschauen. Es war faszinierend, wie sie sich eingerichtet, wo sie wie was hingestellt hatten. Da war so ein grosses visuelles Vokabular.

Und wie war das nun mit der Filmkamera?
Es war, als wären meine Eltern wieder ein bisschen zurück im Leben. Es war meine Art, mich mit der Geschichte zu beschäftigen. Die Kamera war hier tatsächlich wieder eine Art Mediator für mich.

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