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Vor der «Realität» schliesst er lieber die Augen: Dominique Jann als Eugen.© Frenetic Films
Kino Rex, Bern

Die Kunst des Träumens

In ihrem Kinoerstling «Lost in Paradise» erzählt Fiona Ziegler von einem Lebenskünstler in seinen Enddreissigern, der vor dem Ende seines Traums steht – und am Schluss mit Knight-Rider-K.I.T.T. übers Land braust.

Eugen ist ein Träumer: Der Schweiz hat er den Rücken gekehrt, um in der tschechischen Heimat seines Vaters ein Leben als Bohemien zu führen. In Prag hat er einen Club eröffnet, mischt sich gerne unters ausgelassene Publikum, doch dann ist eines Abends Schluss oder besser gesagt Kurzschluss: Die Sicherung einer Lampe brennt während eines Konzertabends durch, ein Brand verwüstet das Lebenswerk des Lebenskünstlers. Die Versicherung spricht von Eigenverschulden und mag nichts zahlen. Nun steht der Enddreissiger vor dem Nichts – wenn es ihm nicht gelingt, seine reichen Verwandten in der Schweiz dazu zu bewegen, ihm finanziell unter die Arme zu greifen und in seinen Traum zu investieren.

Zurück im Familienclan

Das Filmdebüt «Lost in Paradise» der in Prag lebenden Schweizer Regisseurin Fiona Ziegler erzählt in Rückblenden von den Anfängen Eugens als Clubbesitzer und seiner Liebesgeschichte in Prag und begleitet diesen, gespielt vom Berner Schauspieler Dominique Jann, zurück in die Schweiz auf Geldsuche. Hier trifft er auf die Mitglieder seiner eingeschworenen, verschrobenen Familie und den leistungs- und aufstiegsorientierten Vater, der das Originalmodell des Knight-Rider-Autos K.I.T.T. in seiner Garage stehen hat: Der Traum der Freiheit, den er sich mit seinem Lohn als Zahnarzt im Schweizer Exil erkaufte.

Auf dem Geburtstagsfest der exzentrischen Tante Lisi (Heidi Maria Glössner), auf Besuch in der Kunstgalerie des Onkels, beim jüngeren, angepassten Bruder (Andri Schenardi) oder in der väterlichen Zahnarztpraxis muss Eugen sich so einiges anhören, als der, der den Clan und das gemachte Nest verlassen hat. Das Portemonnaie sitzt niemandem locker.

Doch nach einem Streit nähern sich der idealistisch-rebellische Sohn und der angepasste Vater an, denn auch Letzterer war einmal jung – und ein anderer. So entpuppt sich Eugens Heimkehr immerhin als familiensystemisch heilsam.

«Lost in Paradise» ist ein leichter Film mit prominenter Besetzung, der von der Kunst des Träumens und dem Preis der Anpassung handelt, dabei nicht allzu sehr in die Tiefe geht, dafür aber mit überraschenden und erfrischenden Einfällen aufwartet. Und so kommt es, dass es am Ende Eugen ist, der am Steuer von K.I.T.T. übers Land braust.

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