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«Wir sind eine Art Drehscheibe»: Louis Mataré (ganz links) und David Fonjalllaz (3. von links) mit dem Team von Lomotion.© Roland Juker Fotografie

«Es ist wichtig, dass ein Film im Kino läuft»

Louis Mataré und David Fonjallaz von der Berner Filmproduktionsfirma Lomotion sprechen über gestoppte Dreharbeiten und das «Flaschenhals-Problem», welches die Branche im Herbst erwartet.

«Wir hatten Glück», sagt Louis Mataré, «kurz bevor der Bundesrat das Versammlungsverbot sowie alle weiteren Massnahmen erliess, konnten wir gerade noch den neusten Kurzfilm ‹Grenzen› von Christian Wehrlin fertig drehen.» Diese Dreharbeiten im Grauholz, die vor einigen Wochen noch normal gewesen wären, sind inzwischen unmöglich geworden. Immerhin handelte es sich bei Wehrlins Kurzfilm um eine lokale Produktion, die nun wie geplant in die nächste Phase starten kann: Schnitt und weitere technische Nachbearbeitung. Bei anderen Projekten von Lomotion ist aber auch die Arbeit am Schnittpult zurzeit unterbrochen: «Wir haben letztes Jahr einen Dokumentarfilm des italienischen Regieduos Martina Parenti und Massimo D‘Anolfi gedreht, für den die beiden jetzt nach Bern hätten reisen sollen, um den Film fertigzustellen. Im Moment erhalten sie keine Erlaubnis, in die Schweiz einzureisen. Solange liegt das Projekt jetzt auf Eis», so Mataré.

Lange Vorlaufzeiten

Gemeinsam mit David Fonjallaz, Magdalena Welter und Marcel Wyss ist Mataré Mitinhaber von Lomotion. Die Berner Firma produziert sowohl fürs Kino wie auch fürs Fernsehen und zeichnet unter anderem für den Berner Filmpreisträger 2019 «Naïma» von Tamara Milosevic sowie die Tragikomödie «Lasst die Alten sterben» (2017) von Juri Steinhart verantwortlich. «Wir sind eine Art Drehscheibe, das heisst, wir gleisen die Projekte auf, und wenn die Finanzierung gesichert ist, verteilen wir die Arbeit. Die wirtschaftliche Krise bekommen jetzt vor allem jene zu spüren, denen wir normalerweise Aufträge verteilen würden: Filmtechnikerinnen, Schauspielende und technische Betriebe. Aber wir mussten auch für einige unserer fest angestellten Mitarbeitenden Kurzarbeit anmelden», so Fonjallaz.

Ein Sommer ohne Dreharbeiten?

Das Schwierige an der aktuellen Situation sei, dass niemand wirklich wisse, wie es jetzt weitergehe, sagt Mataré. Gerade in einer Branche, in der ein Projekt oft ein bis zwei Jahre in der Entwicklung ist, bevor überhaupt die Dreh­arbeiten beginnen, könnte dies verheerend sein. Dabei, betont der Produzent, sei die Filmbranche eine der Kultursparten, die relativ gut organisiert sei durch Berufsverbände. Andere Branchen hätten diesen Vorteil nicht.

Auch wenn ein Ende der Pandemie in Europa noch nicht abzusehen ist, etwas ist für Fonjallaz jetzt schon klar: «Sobald die Kinos wieder öffnen dürfen und die Festivals wieder stattfinden, gibt es ein Flaschenhals-Problem, weil unzählige Filme in der Pipeline sind.» Neue Filme in der Zwischenzeit stattdessen einfach auf Streaming-Plattformen Premiere feiern zu lassen, halten beide für keine ideale Lösung. «Um mit einem Film etwas Geld zu verdienen, ist es immer noch äusserst wichtig, dass er im Kino läuft. Und in der Schweiz, mit ihrem kleinen Markt, ist es essenziell», so Mataré. Die nun bevorstehenden Sommermonate wären eigentlich jene Zeit, in der neue Filme gedreht würden. Hier habe Lomotion den Vorteil, dass letztes Jahr viel gedreht worden sei und man sich daher im Moment auch auf die Entwicklung neuer Projekte fokussieren könne: «Das funktioniert trotz Corona noch gut», so Fonjallaz.

www.lomotion.ch

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