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Ein Blick voller Schlagkraft, Überzeugung und Unschuld: Lise Leplat Prudhomme spielt nach «Jeannette» nun auch «Jeanne».© Outside the Box
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Innenleben als Schauplatz

Auf dem Sofa statt im Kino: Das Kino Rex bietet seinem Publikum mit «REXhome» die Möglichkeit, Filme zu Hause zu streamen. So etwa das in seiner metaphorischen Stärke kaum zu übertreffende Historiendrama «Jeanne» von Bruno Dumont.

Frankreich im Jahr 1429, der Hundertjährige Krieg wütet. Die ungefähr 17-jährige Jeanne d’Arc befreit auf spiritueller und kriegerischer Mission die Stadt Orléans und erlebt im Kampf in Paris ihre erste Niederlage. Sie wird von den Engländern gefangen­ge­nom­men, der Hexerei beschuldigt und schliesslich im Jahr 1431 auf dem Schei­terhaufen verbrannt.

Emotionen statt Fakten

«Jeanne» ist die Fortsetzung des an ein Musical angelehnten Filmes «Jeannette» (2017) des französischen Regisseurs Bruno Dumont. Der Film besticht durch metaphorische Stärke, eine grandiose Protagonistin und durch die monumentale Musik der Chanson-Legende Christophe.

Das Drama scheint nicht nach historischer Genauigkeit zu streben. Obwohl der Text aus Charles Péguys Buch «Le mystère de la charité de Jeanne d’Arc» (1910) stammt, bleibt der geschichtliche Aspekt hier bloss die Hülle. In «Jeanne» steht die zeitlose Stärke Jeannes und ihre unwiderstehliche Überzeugungskraft im Zentrum. Auch unterstreichen die im Film gewählten Drehorte ihre innere Stimmung, anstatt dass sie die historischen Schauplätze zeigen. Die Kriegsgeneräle und Berater treffen sich im Film auf verwilderten und vom Wind zerzausten Dünen, um die nächsten Schritte zu besprechen. Die Heiligkeit des Prozesses, in dem Jeanne für schuldig befunden wird, unterstreicht der monumentale Drehort: die Kathedrale von Amiens. Und die Einsamkeit, die der Jugendlichen schliesslich im Gefängnis in England beinahe das Leben raubt, wird betont durch die Kulisse öder englischer Blockhäuser.

Verkörpert wird die Protagonistin von Lise Leplat Prudhomme, die im selben Alter ist wie Jeanne d’Arc zu jener Zeit. Ihre Kindlichkeit stösst an, doch dadurch versteht man erst ihre Unvoreingenommenheit, ihre Entschlossenheit und ihre Begeisterung für die gute Sache. Ihrem Blick wohnt ungefähr dieselbe Schlagkraft inne, wie demjenigen Greta Thunbergs in der heutigen Zeit.

Trostpflaster

Da uns, wie das Kino Rex auf seiner Webseite schreibt, die «schönste Form, Filme zu schauen, im Moment leider bis auf Weiteres verwehrt bleibt», hat das Bener Kino «REXhome» lanciert. Auf Schweizer Streamingplattformen wie Filmingo, Cinefile oder Myfilm steht eine vom Kino getroffene Auswahl an Filmen als Stream zur Verfügung: neben «Jeanne» etwa das kurz nach dem Kinostart gestoppte Drama «Ema y Gastón» von Pablo Larraín oder Roy Anderssons «About Endlessness».

Kino Rex

Zu sehen auf: Filmingo, Cinefile, MyFilm und Vimeo

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