mitgliederwerden grey iconMitglied werden
Archiv
Bildschirme dominieren den Alltag der Callcenter-Mitarbeiterin Alice (Sarah Stauffer) in der Peripherie von Zürich.© Seeland Filmproduktion
Kino Rex, Bern

Money matters

Die Daten fliessen, derweil stockt es beim Zwischenmenschlichen. Cyril Schäublins Spielfilmdebüt «Dene wos guet geit» läuft im Kino Rex.

Das einzig Farbige in dieser Kulisse sind die herbstlichen Baumkronen. Hier ist es sauber, still, sicher. «Dene wos guet geit» zeichnet Silhouetten an Nicht-Orten. Eine Sicht in das Seelen­leben der Figuren bleibt versperrt. Meist bewegen sich diese am Bildrand und sind abgeschnitten, über ihnen kein Himmelblau, sondern fahle Betonbauten. Beobachtet wird die junge Alice, die in einem Callcenter arbeitet und sich die Nummern von dort zunutze macht, um betagten Leuten Geld abzuluchsen. Verwoben ist diese Geschichte mit diversen Nebensträngen, die allerdings nicht zur Spannungserzeugung dienen. Vielmehr wird Mani Matters «Dene wos guet geit» visualisiert. Denjenigen, denen es weniger gut geht, werden Antidepressiva verschrieben.

Entkoppelte Beziehungen

Alles dreht sich um Zahlen und ums Bezahlen. Kultur ist den Menschen sprichwörtlich abhandengekommen: Den Figuren fehlen die Worte für Filme oder Ausstellungen, die sie vor Kurzem gesehen haben. Ohne Musik, mit strenger Bildkomposition und wenigen Schnitten dokumentiert der Zürcher Cyril Schäublin vom Internet navigierte Lebenswege.

Im Stil der Berliner Schule – der Regisseur studierte an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin – wird unser Zeitgeist gespiegelt, in dem mehr auf den Bildschirm als ins Gesicht des Gegenübers geschaut wird. In dieser kabellosen Welt ist auch das Zwischenmenschliche entkoppelt.

 

Events zu diesem Artikel

Keine Veranstaltungen

Anmeldung Newsletter

Wetter in Bern

laden