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«Taming the Garden» erzählt in surrealen Bildern von entwurzelten Bäumen.© Vinca Film
Diverse Kinos, Bern

Von Bäumen in Bewegung

Geschichten von reisenden Titanen, von ungewisser Zukunft und von verzwickten Lebens­lagen: Bei Quinnie Bern finden zum dritten Mal die Orient Express Filmtage statt. Dieses Jahr unter dem Motto «Ökologie der Freiheit».

Der Mann zündet sich im Schatten eines alten Baums eine Zigarette an. Es ist seine erste in 30 Jahren, und der Baum, unter dem er sitzt, ist entwurzelt: Er wurde aus der Erde gehoben und wartet nun gut festgeschnürt auf einem ächzenden Laster auf seinen Abtransport. Eine surreale Vorstellung, die im schweizerisch-georgisch-deutschen Dokumentarfilm «Taming the Garden» Realität wird. 

Absurd und anmutig

Ein georgischer Milliardär kauft jahrhundertealte Bäume, die in verarmten Dörfern wachsen. Diese werden aus dem Boden gegraben und abtransportiert. Filmerin Salomé Jashi hält dieses absurde und zugleich unglaublich poetische Schauspiel fest: Etwa, wenn ein Baum auf dem Schiff über das Meer gleitet oder wenn fahrende Baumkronen die Äste links und rechts des Strassenrands mit sich reissen, als versuchten sie, sich an den verwurzelten Bäumen festzuhalten.

Ganz ohne Sinn für Poesie ist hingegen der Garten des Oligarchen, wo die uralten Bäume neu arrangiert werden: Eine Schicksalsgemeinschaft, von Stahlseilen im Boden gehalten, um zu verhindern, dass die massiven Stämme einknicken.

«Taming the Garden» ist Teil des Programms der diesjährigen Orient Express Filmtage. «Kunst und Kultur sollen nicht unerreichbar sein und das Kino ein Ort für alle» beschreibt Aydin Sevinc eines der Ziele des noch jungen Festivals. Der Leiter der Filmtage will Kino in den diversen Muttersprachen der Schweizer Bevölkerung bieten. Die Filmtage sind aber auch Plattform für kritische Filme, die in ihren Herkunftsländern wenig Publikum finden oder von Zensur betroffen sind. Das Festival fokussiert auf Filmschaffen aus der Türkei, dem Iran, Irak und Syrien – in diesem Jahr unter dem Motto «Ökologie der Freiheit».

Verstrickt und verzweifelt

Die Kurz-, Spiel-, und Dokumentarfilme handeln von unterschiedlichen Existenzen oder greifen queerfeministische Positionen und postmigrantische Realitäten auf, thematisieren aber auch Krieg und seine Folgen.

So etwa der Film «The Exam» von Shawkat Amin Korki. Das Drama spielt im vom Krieg geprägten Gebiet des irakischen Kurdistan und erzählt von zwei Schwestern, die sich in ein Netz von Betrug und Korruption verstricken. Shilan, gefangen in einer frustrierenden Ehe, wünscht sich für ihre jüngere Schwester eine andere Zukunft als die eigene. Rojin soll an der Uni studieren. Doch die Prüfungen sind hart – und Shilan und Rojin entscheiden sich wie viele andere, zu schummeln.

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