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Hungrig danach, die Sinne des Publikums in Schwung zu bringen: Meret Lüthi (vorne).© Guillaume Perret
Berner Münster

Den Rahmen lustvoll sprengen

Am Konzert «Nachts im Münster» präsentiert das Orchester Les Passions de l’Ame unter der Leitung von Meret Lüthi Partien und Sonaten von Biber und Schmelzer. «Die Geigenstimmen werden wie vom Himmel herabschweben», sagt Meret Lüthi vorfreudig. Sie stellt sich den Augenblick vor, wenn sie und das Orchester für Alte Musik Bern Les Passions de l’Ame das anstehende Konzert «Nachts im Münster» mit der Partia Nr. 2 in h-Moll von Heinrich Ignaz Franz Biber eröffnen. «Nach dieser langen Zeit der Ungewissheit sind wir dermassen hungrig danach, die Sinne unseres Publikums wieder in Schwung zu bringen», so die Berner Geigerin.

Bei der Erarbeitung eines Schutzkonzeptes nutzte Lüthi die aktuellen Bedingungen als «kreative Chancen», und so entstand die Idee einer neuen Konzertsituation: Die neun Orchestermusikerinnen und -musiker bilden mit entsprechenden Abständen einen Kreis, Lüthi steht als Leiterin in der Mitte. Ausserdem positioniert sich das Orchester im Zentrum des Mittelschiffs, und das Publikum kann von drei Seiten aus den anmutigen Klängen lauschen.

Humorvoll und draufgängerisch

Das Konzertprogramm widmet sich hauptsächlich den Werken zweier österreichischer Komponisten des Hochbarocks, Heinrich Ignaz Franz Biber und Johann Heinrich Schmelzer. Neben Bibers Partia Nr. 2 interpretieren Les Passions de l’Ame auch die Partia Nr. 5 aus der Sammlung «Harmonia Artificiosa-Ariosa» sowie zwei Sonaten. «Biber war selbst ein Geigenvirtuose, und er komponierte humorvoll, draufgängerisch und experimentierfreudig», sagt Lüthi. Dies sei mit ein Grund, warum sie seine Musik so möge: «Er offeriert mir wunderbare Möglichkeiten, mich musikalisch auszutoben.»

Das vitale Orchester spielt dabei auf den historischen Instrumenten des Tiroler Geigenbauers Jacobus Stainer, welche Biber selbst sehr geschätzt haben soll. Besondere Klangeffekte bietet ausserdem ein Psalterion – ein «Schätzeli-Instrument zum Verlieben», wie Meret Lüthi sagt. Und in Bibers geistlicher Komposition «Nisi Dominus aedificaverit Domum» (Psalm 127) in G-Dur sorgt die tiefe, aber samtweiche Bassstimme des britischen Sängers Jonathan Sells für vokale Abwechslung.

«Vertrauen ist das A und O»

Das erste Konzert in der neuen Saison ist überdies eine CD-Taufe: Am 26 .Juni erschien das Album «Divina» (Göttlich), das die geistlichen Aspekte der Tonschöpfungen von Biber und Schmelzer hervorhebt. «Das ist die vierte und letzte CD unseres Biber-Schmelzer-Zyklus», sagt Lüthi und erklärt glücklich, dass Les Passions de l’Ame mit dieser Tetralogie Bibers Partien-Sammlung «Harmonia Artificiosa-Ariosa» nun vollständig eingespielt hätten.

Mit Stolz und Freude erfüllt die Musikerinnen und Musiker auch die Neuigkeit, dass die Vorgänger-CD «Variety» mit dem Opus Klassik, dem bedeutendsten deutschen Klassikpreis, in der Kategorie «Kammermusikeinspielung - Gemischtes Kammermusik-Ensemble» ausgezeichnet wurde. Auf die Frage nach dem Geheimnis ihres Erfolgs antwortet Lüthi: «Verbindlichkeit und Vertrauen sind das A und O. Wenn diese Basis gegeben ist, dann kann man auch gemeinsam und lustvoll den Rahmen wieder sprengen, den man zuvor definiert hat.»

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