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Der Geiger Anatol Toth.© Peter Toth
Diverse Orte, Murten und 
Umgebung

Des Nachts im Wald

Die dunkle Seite der Natur steht im Zentrum der diesjährigen Murten Classics. So auch am Konzert «Verhexte Nacht», an dem der Geiger Anatol Toth Joachim Raffs 1. Violinkonzert zusammen mit der Slowakischen Philharmonie interpretiert. Im Solopart nähert er sich dem schweizerisch-deutschen Komponisten mit Respekt und Feingefühl.

«Im Gegensatz zu vielen anderen übe ich gerne», sagt der junge, schweizerische Geiger mit ungarisch-deutschen Wurzeln Anatol Toth. Zur Freude an der Musik, am Tüfteln und Perfektionieren habe ihn zunächst seine Mutter – eine «leidenschaftliche Amateur-Geigerin» – schon sehr früh inspiriert. Aber auch die Entscheidung seiner Eltern, ihn und seine Geschwister nicht in eine staatlich-öffentliche Schule zu schicken, sondern zu Hause zu unterrichten, habe sicherlich dazu beigetragen, dass er seine natürliche Lernlust ausleben und bis heute erhalten konnte. Und nicht zuletzt liebe er seine historische Lupot-Geige aus dem Jahr 1797, deren Klang er mit Honig vergleicht: «In meiner Wahrnehmung schimmern die Töne klar und golden; sie fühlen sich konsistent an, und doch fliessen sie glatt.»

Wenn er übe, dann versuche er sich «schrittweise an die Vision des Komponisten» anzunähern, erzählt Toth weiter. Dabei helfe ihm auch sehr das Studium der jeweiligen Biografien. So finde er es etwa bei der Einstudierung des 1. Violinkonzerts von Joachim Raff relevant zu wissen, dass dieser schweizerisch-deutsche Komponist ein «sehr aufrechter und würdevoller Mensch» war, der sich für gute Werte einsetzte. Und diesen Charakterzug wolle Toth bei seiner Interpretation des Soloparts am Konzert «Verhexte Nacht» im Zusammenspiel mit der Slowakischen Philharmonie speziell im Bewusstsein haben.

Musikalischer Waldgang

Da sich der Geburtstag von Joachim Raff zum 200. Male jährt, widmet ihm das Murten Classics zum Jubiläum drei Konzerte. Dazu findet vor jedem ein Podiumsgespräch statt, an dem sich involvierte Musiker*innen über die spezifischen Kompositionen auf dem Programm, technische Herausforderungen oder biographische Fakten austauschen. Zu erfahren, welche Elemente und Szenen Raff in seiner 3. Sinfonie, «Im Walde», mit musikalischen Mitteln beschreibt, dürfte das anschliessende Hörerlebnis am Eröffnungskonzert durchaus bereichern.

So spielen sich im vierten Satz etwa mancherlei mysteriöse Szenen nachts im Wald ab, was genau zum Motto der diesjährigen Murten Classics, «Die Nacht», passt. Der Dirigent Christoph-Mathias Mueller, der letztes Jahr die künstlerische Leitung des Festivals übernahm, konzipierte eine Reihe von abwechslungsreichen Programmen mit Bezügen zu Dämmer und Dunkel der Welt.

1001 Nacht

An den über 20 Konzerten präsentieren sowohl grosse Sinfonieorchester als auch kleinere Kammermusikformationen aus dem In- und Ausland Werke verschiedener Gattungen, so etwa die sinfonischen Impressionen «Nächte in spanischen Gärten» von Manuel de ­Falla, das pastorale Intermezzo «Sommernacht» von Othmar Schoeck, Mendelssohns Schauspielmusik zu «Ein Sommernachtstraum» oder Mozarts Serenade «Eine kleine Nachtmusik». Und als Höhe- und Schlusspunkt des Festivals – am Gala-Konzert – entführen die Jenaer Philharmoniker und Christoph-Mathias Mueller am Dirigentenpult das Publikum mit orientalisch angehauchten Musikstücken von Johann Strauss Sohn, Carl Nielsen und anderen in die zauberhafte Welt von 1001er Nacht.

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