mitgliederwerden grey iconMitglied werden
Archiv
Begann mit vier Jahren Geige zu spielen - für die Reihe «Meisterzyklus» spielt er seine Lieblingssonate von Maurice Ravel.© Fredrik Schlyter

«Die Musik fliessen lassen»

Wenn schon nicht live, dann immerhin digital: Als Ersatz für den abgesagten Auftritt des schwedischen Geigers Johan Dalene liess die Berner Konzertreihe «Meisterzyklus» ein professionelles Konzertvideo produzieren.

Mit tiefer Empfindung streicht der junge schwedische Geiger Johan Dalene den Bogen über die Saiten der Stradivari­-Violine aus dem Jahr 1736, die er als Leihgabe der «Anders Sveaas’ Charitable Foundation» spielen darf. Er steht in warmem Scheinwerferlicht auf der Bühne der Louis de Geer Concert Hall in der schwedischen Stadt Norrköping. Hinter ihm, am Steinway-Flügel, sitzt der Pianist Peter Friis Johansson, der ihn während den rund 30 Minuten des Rezitals mit Präzision und Feingefühl begleitet. Dank der hohen Bild- und Tonqualität kommt die intime und stimmungsvolle Atmosphäre im Konzertvideo schön zur Geltung.

Künstlerische Aufgabe

Eigentlich hätte Johan Dalene am 15. Januar im Casino Bern mit der Camerata Schweiz auftreten sollen. Weil dieses Konzert aufgrund des Veranstaltungsverbots nicht stattfinden konnte, organisierte die Konzertreihe «Meisterzyklus» eine Videoproduktion am Wohnort des Geigers. «Einerseits war es für Johan Dalene in dieser konzertlosen Zeit eine wichtige künstlerische Aufgabe und finanzielle Unterstützung», sagt Thomas Pfiffner, der Programmleiter der Konzertreihe, «andererseits war es uns ein grosses Anliegen, dieses Geigentalent unseren Kundinnen und Kunden in jedem Fall präsentieren zu können.» Das Video wurde auf dem Youtube-Kanal der Orpheum Stiftung veröffentlicht, sodass es nun jede und jeder Interessierte überall, jederzeit und kostenlos abrufen kann.

Fast wie Rock ’n’ Roll

Das Programm umfasst drei Werke, je eines von zwei Komponisten und einer Komponistin aus Frankreich: «Introduction et Rondo Capriccioso» von Camille Saint-Saëns, «Nocturne» von Lili Boulanger und die Sonate Nr. 2 in G-Dur von Maurice Ravel. Bei der Zusammenstellung habe er bewusst Kompositionen unterschiedlichen Charakters ausgewählt, sagt Johan Dalene auf Anfrage: «Etwas Heiteres und Auflockerndes zu Beginn, dann ein kurzes und liebliches Stück, und zum Abschluss eine meiner Lieblingssonaten.»

Wie «grossartig» Ravels zweite Sonate wirklich sei, habe er jedoch erst beim Üben gemerkt, sagt er. «Am anspruchsvollsten zum Spielen war für mich der erste Satz – er ist variationsreich, expressiv und mysteriös», sagt Dalene. Die beiden weiteren Sätze, betitelt mit «Blues» und «Perpetuum Mobile», machten hingegen «einfach Spass»; insbesondere der letzte, der «fast wie Rock ‘n’ Roll» klinge. Ob langsam oder virtuos, sanft oder wild – bei einer Darbietung sei es ihm am Ende hauptsächlich wichtig, die Musik «einfach fliessen und für sich selbst sprechen» zu lassen, so der 20-jährige Geiger.

Konzertvideo auf Youtube
www.meisterzyklus.ch
www.johandalene.com

Folgen Sie uns

Anmeldung Newsletter

Wetter in Bern

laden