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Schubert verfallen: Lorenza Borrani arrangiert sein Streichquartett Nr. 15 neu. © Piera Mungiguerra

Entrücktes Spiel

In sinfonischem Format: Die Camerata Bern präsentiert das Streichquartett Nr. 15 von Franz Schubert in Orchesterfassung. Die italienische Geigerin und Arrangeurin Lorenza Borrani leitet die Uraufführung.

«Es war ein magischer Moment», sagt die Geigerin Lorenza Borrani. Sie erinnert sich an den Konzert­abend in ihrer Heimatstadt Florenz, an dem sie mit ungefähr 14 Jahren das Streichquartett Nr. 15 von Franz Schubert zum ersten Mal hörte. «Gleich zu Beginn nach der Einleitung kommt eine Passage, in der die Geige in Pianissimo über flackernden Tremoli das erste 
Thema vorträgt», erzählt sie. Dieser «transzendente musikalische Ausdruck» sei für sie so unerwartet gekommen, dass sie gänzlich ihr Gefühl für Raum und Zeit verloren habe.

Irrationale Erfahrung

Noch immer fasziniert von der «intensiven Sogwirkung» dieses Werks, arrangierte Lorenza Borrani das Quartett für ein Streichorchester. Als erste Geigerin und musikalische Leiterin führt sie am Sonntag die Camerata Bern durch die erste Aufführung ihrer Fassung. Der Titel des Konzerts, «Geheimnis», nimmt Bezug auf ihr Erlebnis als Jugendliche im Konzertsaal: «Die irrationale Erfahrung, durch die Musik in andere Dimensionen entrückt zu werden, ist ein Mysterium», sagt die Geigerin.

Hell und Dunkel

Der Romantiker Schubert schuf das Streichquartett in nur elf Tagen im Sommer 1826, etwas mehr als zwei Jahre vor seinem Tod. «Die Harmonik und Struktur waren für die damalige Zeit sehr progressiv; Schubert ging an die Grenzen dessen, was vier Instrumente an Ausdruck erreichen können», sagt Borrani. Als «visionärer Musik-Regisseur» habe Schubert dem kammermusikalischen Werk gar ein sinfonisches Format verliehen. Besonders charakteristisch sei das Wechselspiel von Dur und Moll, hell und dunkel, Freude und Schwermut. Mit ihrem Arrangement wollte sie die Grenzen noch weiter ausdehnen, allerdings weniger in Bezug auf Lautstärke, sondern vielmehr durch das Hinzufügen neuer Klangfarben und Ausdrucksebenen.

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