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Ein Festival der gewollten Verstimmungen und der Mikrotonalität.© rawpixel.com
Diverse Orte, Bern

«Es herrscht ein Grundrauschen»

Der Bieler Cellist und Komponist Martin Schütz ist seit drei Jahren einer der Kuratoren des Musikfestivals Bern. Ein Blick hinter die Kulissen und ein Augenschein ins diesjährige Festivalprogramm zum Thema «Rauschen».

Martin Schütz, jedes Jahr trägt das Musikfestival Bern einen Zusatznamen, ein Oberthema, einen Untertitel. Warum diese Namensgebungen?
Zum einen ist Musikfestival Bern als Name nicht so spannend, also ­hatten wir 2016 gemeinsam als neues Kuratorenquartett für die ersten drei Jahre Themen festgelegt, die musikalisch inspirieren. Zum anderen gibt dies nicht nur jeder Ausgabe ihren Namen und Struktur, sondern es vereinfacht auch die Auswahl der Projekt­eingaben.

Inwiefern?
Das Musikfestival ist eine wichtige Plattform für Berns freie Musikszene, wir bekommen immer unzählige Eingaben. Bei der Sichtung konzentrieren wir uns dann in einem ersten Durchgang generell auf jene, die in irgendeiner Weise zum Thema passen.

In diesem Jahr dreht sich nun alles ums «Rauschen» .
Das ist unglaublich inte­ressant, es herrscht ja immer ein Grundrauschen. Zumindest in der Stadt. Ist es ganz still, hörst du dein eigenes Blut rauschen. Sogar im Innern der Pflanzen rauscht es – dazu gibt es eine Installation im Botanischen Garten. Das Wort beinhaltet aber auch den Rausch an sich, die Verwirrung, den Kaufrausch, den Liebesrausch. Zusätzlich hört man das Rauschen auch im Wort selber. Rauschschsch…

Und in der Musik.
Absolut. Ein treffendes Beispiel ist die Mikrotonalität. In der Grossen Halle der Reitschule wird «Limited Approximations» für sechs Klaviere im Zwölftonabstand und Orchester aufgeführt. Da beginnt alles zu schweben und rauschen, wenn diese Viertel- oder Sechs­telmikrotöne, diese Art Verstimmung, auf das Sinfonieorchester treffen.

«Rausch» – wie gemacht für Experimente der Neuen Musik also?
Nicht nur. Beim Eröffnungskonzert in der Dampfzentrale treffen der Autor Michael Fehr, die Bieler Band Puts Marie und die barocke Freitagsakademie in einem chaotischen Rausch aufeinander. Doch nicht nur die Kombina­tion wird rauschig berauschend. Die Freitagsakademie spielt ein Werk des französischen Barockkomponisten Jean-Féry Rebel, dessen erster Satz heisst «Le chaos» und ist ein wunderbar rauschendes Chaos. Man könnte meinen, es sei eine moderne Komposition. Der Rausch zieht sich also definitiv durch die Epochen durch.

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