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Münsterorganist Christian Barthen.© Jiyoung Kim Barthen
Berner Münster

«Es war quasi Liebe auf den ersten Ton»

Mit 13 Jahren bekam er seine erste Anstellung als Kirchenmusiker, seit Kurzem ist er Organist im Berner Münster. Mit der BKA spricht Christian Barthen über Bach, Geduld und Ungeduld – und die Schuhe, die er beim Spielen trägt.

Christian Barthen, warum sind Sie eigentlich Organist geworden?
Das war ein ganz natürlicher Prozess. Mein erstes Instrument war zwar das Klavier, aber da sich meine Eltern in der Kirche engagierten, kam ich schon früh mit der Orgel in Kontakt. Ich war von Anfang an fasziniert von der Bandbreite der klanglichen Möglichkeiten, der Genialität der Technik und der beeindruckenden Optik. So war es ein grosses Glück für mich, dass ich in einer Kirchgemeinde unweit meiner Heimatstadt Saarbrücken bereits als 13-Jähriger eine Organistenanstellung bekam. Ich empfinde es bis heute als stimmig und erfüllend, Kirchenmusiker zu sein.

Gibt es Lehrer*innen, die sie besonders prägten?
In Saarbrücken hatte ich die Möglichkeit, beim Pariser Klavierprofessor Jean Micault zu studieren. Er war damals schon weit über 80 und sagte einmal: «Um Musiker zu sein, braucht es zwei Eigenschaften: angeborene Ungeduld und die Fähigkeit, sich zur Geduld zu zwingen.»

Ist es körperlich anstrengend, die Orgel zu spielen?
Es ist anspruchsvoll in dem Sinne, dass das Orgelspiel eine komplexe Koordination erfordert. Da man auch mit den Füssen arbeitet, muss man sich ständig in einem Gleichgewicht halten – ob ausharrend oder schnell wechselnd.

Apropos Fussarbeit: barfuss, Socken oder Schuhe?
Ich spiele mit Tanzschuhen – wie etwa 90 Prozent aller Organist*innen. Meiner Erfahrung nach eignen sich solche, die vorne schmal sind und einen ausgeprägten Absatz haben, am besten – denn je nach Note müssen wir die Tasten der Pedal-Klaviatur mit dem Vorderfuss oder der Ferse drücken.

Seit Anfang November sind Sie der Titularorganist am Berner Münster. Sind Sie mit der Orgelausstattung schon warm geworden?
Es war quasi Liebe auf den ersten Ton. Im Vergleich zu vielen anderen Kirchen ist das Berner Münster ein Orgelparadies: Prächtig die Hauptorgel, ein Schmuckstück die Schwalbennest­orgel und interessant die wind­dy­na­mische Forschungsorgel. Es ist ein grosses Privileg, hier wirken zu dürfen.

Die Position nach Daniel Glaus anzutreten, ist sicher nicht einfach.
Ich schätze Daniel Glaus als Menschen und Musiker sehr und ich begegne seiner Arbeit – und entsprechend auch den Erwartungen des musikalischen Umfeldes und der Kirchen- und Konzertgänger*innen – mit grossem Verantwortungsbewusstsein.

Werden Sie seine Traditionen weiterführen?
Mit viel Freude übernehme ich die beliebte und erfolgreiche «Abendmu­siken»-Reihe. Und es ist mir auch ein Anliegen, die interdisziplinäre Zu­sammenarbeit mit anderen Künsten weiterhin zu pflegen oder jungen Schweizer Komponist*innen ein Podium zu bieten.

Was liegt Ihnen als Münsterorganist persönlich am Herzen?
Ich möchte der Orgel als Soloinstrument Raum geben und den Menschen Zugang zu grossartigen Orgelwerken verschaffen. Aber dies nicht nur im Rahmen von Konzerten, sondern auch in den Gottesdiensten. Auch die will ich musikalisch reichhaltig gestalten.

Haben Sie einen Lieblingskompo­nisten?
Wenn ich den Komponisten nennen müsste, mit dem ich mich am intensivsten beschäftigte, dann wäre es unangefochten Johann Sebastian Bach. Und sonst lässt sich bei mir auch ein gewisser Schwerpunkt in der französischen und deutschen Orgelmusik des 19. und 20. Jahrhunderts feststellen. Aber grundsätzlich bin ich offen für alle Stile und Epochen.

Am ersten Adventskonzert «La notte» interpretiert Christian Barthen die Toccata und Fuge in E-Dur BWV 566 von Johann Sebastian Bach und die Choralfantasie «Wachet auf, ruft
uns die Stimme» von Max Reger. Daneben lassen die Camerata Vivaldiana, die Altistin Seda Amir-Karayan, der Fagottist Sergio Azzolini und die Geigerin Chouchane Siranossian unter
der Leitung von Fritz Krämer mit Instrumental- und Vokalwerken von Vivaldi und Tartini eine feierliche Stimmung entstehen.

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