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Bratschistin Nao Rohr: «Das Stück von William Walton ist genial komponiert.»© Thomas Rychly
Petruskirche, Bern

Im Fluss der Emotionen

Das Sommerensemble des Uniorchesters Bern spielt unter der Leitung von David McVeigh Werke von Beethoven, Walton und Schumann. Als Solistin spielt Nao Rohr.

 «Ich bin ein Vermittler zwischen dem Komponisten, dem Orchester und dem Publikum», sagt der britisch-schweizerische Dirigent David McVeigh. Seit 2016 leitet er einmal pro Jahr das Sommerensemble – eine Projektformation des Uniorchesters Bern, mit welcher McVeigh jeweils vor dem Herbstsemester ein sinfonisches Konzertprogramm präsentiert. «Es ist mir ein zentrales Anliegen, die vom Komponisten intendierte Stimmung zu treffen und herauszuarbeiten», so der Orchesterleiter.

Bedrohliche Wolken

Da die jungen Musikerinnen und Musiker oftmals noch etwas stark auf die Technik und einzelne Töne fokussiert seien, arbeite er gerne mit inneren Bildern: «Das hilft ihnen, loszulassen und in den Fluss der Emotionen zu kommen», erklärt McVeigh. Als grundsätzliches Motto diene ihm ausserdem eine Aussage von Ludwig van Beethoven: «Eine falsche Note zu spielen ist unwichtig, aber ohne Leidenschaft zu spielen ist unverzeihlich.»

Wenn es also in der Sinfonie Nr. 4 in d-Moll von Robert Schumann am Ende des 3. Satzes nach einer lieblich-zarten Passage dramatischer wird, dann beschreibt McVeigh dieses Crescendo etwa mit der Metapher: «Es ziehen dunkle, bedrohliche Wolken auf.» Das hochemotionale Werk aus dem Jahr 1841, das der Komponist der Romantik am 22. Geburtstag seiner geliebten Ehefrau Clara Schumann fertigstellte, führt das Sommerensemble nun an seinen zwei Konzerten in der Petruskirche neben Beethovens «Egmont-Ouvertüre» und dem Bratschenkonzert von William Walton auf.

Zwischen Jazz und Filmmusik

«Es ist Tradition bei uns, dass wir eine junge Solistin oder einen jungen Solisten aus der Region Bern auftreten lassen», sagt McVeigh. Dieses Jahr ist es die Bratschistin Nao Rohr, die ihr musikalisches Können unter Beweis stellen darf. Die energiegeladene Musikerin hat ihren Master Performance bereits seit 2018 in der Tasche, gleichwohl absolviert sie zurzeit noch den Master in Music Pedagogy an der Hochschule der Künste Bern.

Das Bratschenkonzert des englischen Komponisten William Walton hat Rohr selbst ausgewählt: «Es ist unglaublich genial komponiert; ich hege schon seit langer Zeit den Wunsch, diese Solopartie mal mit einem Orchester zusammen zu spielen», sagt die Bratschistin. An der Musik finde sie insbesondere die zahlreichen Tempo- und Charakterwechsel spannend: «Die verschiedenen Passagen dieses Werks changieren stilistisch zwischen Romantik, Jazz, Moderne und Filmmusik», sagt Rohr. Es sei zwar eine Herausforderung, diese vielen Übergänge geschmeidig hinzubekommen, nichtsdestotrotz fasst sie ihre Begeisterung mit den Worten zusammen: «Es fägt eifach!»

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