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Nina Theresia Wirz lässt sich «von der Schönheit der Möglichkeiten beflügeln».© Simone Haug

Im Fluss des Lebens

Die Hauptorganistin der Stadtkirche Burgdorf, Nina Theresia Wirz, freut sich, dass sie ab Juni wieder an öffentlichen Konzerten und Gottesdiensten spielen kann.

«Das Klangspektrum von Orgeln ist ein Farbenreich», sagt die Berner Organistin Nina Theresia Wirz. Seitdem sie als 20-jährige Klavierstudentin zum ersten Mal an einer Orgel sass und ein Stück des estnischen Komponisten Arvo Pärt spielte, ist sie begeistert von der Vielseitigkeit und der raumfüllenden Kraft dieses Instruments. «Jede Orgel ist ein Unikat», sagt Wirz. Dies empfinde sie allerdings als die grösste Herausforderung als Organistin: «Jede Komposition, die man neu auf einer Orgel spielen möchte, muss man zunächst speziell an die jeweiligen Gegebenheiten anpassen –das ist anspruchsvoll und aufwändig.»

Mit Ruhe und Klarheit

Nach ihrem Studienabschluss an der Hochschule der Künste Bern (Lehr- und Konzertdiplom auf Klavier und Orgel) arbeitete sie zunächst sechs Jahre als Organistin an der Petruskirche in Bern. Seit 2015 ist sie nun die Hauptorganistin an der Stadtkirche Burgdorf, wo sie den musikalischen Teil der Gottesdienste, Hochzeiten und Beerdigungen gestaltet. Wesentlicher Bestandteil ihrer Tätigkeit ist die Organisation der beiden Konzert­zyklen «Orgelzyklus» und «Musik im Jahreskreis», welche die Orgel in Verbindung mit anderen Instrumenten, Stilrichtungen und Musiktraditionen bringen. «Es ist mir ein Anliegen, dieses besondere Instrument auf unterschiedliche Arten den Menschen näherzubringen», sagt Wirz.

Während der Zeit des Lockdowns suchte die Reformierte Kirche Burgdorf die Menschen weiterhin zu erreichen, indem sie manche ihrer Aktivitäten aufzeichnete und auf Youtube veröffentlichte. In drei Videos ist auch Nina Theresia Wirz an der Orgel zu sehen und zu hören. Zum Beispiel im Clip «Passion – Orgelspiel zum Grün­donnerstag», in dem sie mit Ruhe und Klarheit Orgelwerke von Johannes Brahms, Frescobaldi und Clérambault zum Klingen bringt. Und im Video «Tastentanz – Örgeli meets Orgel» geht sie mit dem Berner Multiinstrumentalisten Thomas Aeschbacher eine pfiffige Klangsymbiose ein.

Offenheit gegenüber Musikstilen

«Die Videos sind gut gelungen, aber ich bevorzuge trotzdem bei Weitem das Spielen vor einem Publikum», sagt Wirz. Ihr nächstes Livekonzert «Jahrestage - Lebensquell» ist ein Gastspiel in der Stadtkirche Biel. In diesem Programm verwebt sie sechs Choralvorspiele aus dem Orgelbüchlein von Johann Sebastian Bach mit den Miniaturkompositionen des Zyklus «Tierkreis – 12 Melodien der Sternzeichen» von Karlheinz Stockhausen, einem bedeutungsvollen deutschen Avantgardisten des 20. Jahrhunderts.

«Ich mag es, unterschiedliche Sachen miteinander zu verbinden», sagt die Musikerin. Ihre Offenheit gegenüber Musikstilen und originellen Projekten führt sie auch immer wieder in das Feld der zeitgenössischen Musik. Jüngst war sie im Rahmen der Kulturnacht Burgdorf etwa am Projekt «lang | sam» beteiligt, bei dem sich ein Tänzer in der reduzierten Manier des japanischen Butoh zu sphärischen Orgel-Obertönen bewegte.

Neben ihrer Anstellung als Organistin unterrichtet die lebensfrohe und tatkräftige Musikerin und Mutter zweier Söhne Klavier und Orgel an der Musikschule Burgdorf. Auf die Frage, wie sie all diese verschiedenen Lebensbereiche unter einen Hut bringt, antwortet sie: «Ich gehe mit dem Fluss des Lebens und lasse mich von der Schönheit der Möglichkeiten beflügeln.»

www.ninatheresia.ch
www.ref-kirche-burgdorf.ch

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