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Dirigent und Solist Jonathan Selle.© ZVG
Französische Kirche, Bern

Im musikalischen Olymp

Telemanns «Donner-Ode» beschwört eine Götterwelt herauf. Les Passions de l’Âme spielen sein Spätwerk, Solist*innen des britischen Ensembles Solomon’s Knot singen es. «Die Stimme Gottes erschüttert die Meere, zerschmettert die Zedern», so lautet eine Textpassage aus der «Donner-Ode» von Georg Philipp Telemann. Indem der deutsche Barockkomponist die Stimmen und Instrumente – insbesondere Pauken und Trompeten – lautmalerisch einsetzt, erzeugt er eine ehrfurchtgebietende Dramatik, die die Macht Gottes über die Naturgewalten verdeutlicht. Auf die Spitze treibt Telemann den Donnereffekt im Bass-Duett «Er donnert, dass er verherrlichet werde», in dem sich die Stimmen und Pauken gegenseitig zu einem musikalischen Erdbeben aufwiegeln. Die zweiteilige Kantate enthält allerdings auch Sätze, die den Lobpreis in lieblicher oder festlich-pompöser Manier anstimmen. So weckt der Beginn der «Donner-Ode», also der Chorsatz «Wie ist dein Name so gross» bei der Berner Geigerin Meret Lüthi etwa das innere Bild einer «Musikolympiade, zu der alle Götter und Halbgötter mit Pomp, Stolz und Fackeln ins Stadion einziehen». Lüthi ist die künstlerische Leiterin von Les Passions de l‘Âme, dem Orchester für Alte Musik Bern, das Telemanns Spätwerk aus den Jahren 1756 und 1760 an seinem nächsten Konzert, «Donnerode», aufführt. Die Gesangsstimmen (Chor und Soli) interpretieren die acht Sängerinnen und Sänger des renommierten britischen Vokalensembles Solomon’s Knot unter der Leitung von Jonathan Sells.

Weiter präsentieren die Musiker*innen als neuzeitliche Erstaufführung die Kantate «Wie lieblich sind auf den Bergen», die Telemann 1754 zur Einsegnung eines Predigers komponierte und die, wie Meret Lüthi sagt, «mit erhobenem Zeigefinger an die grossen Berufspflichten eines Pastors erinnert».

Einmal in die Hölle und zurück

Im letzten Teil des Konzerts gehe es schliesslich mit der Kantate «Dich rühmen die Welten» einmal in die Hölle und zurück: «Telemann gewährt uns darin einen akustischen Einblick in seine Vorstellung von Luzifer, der in einer Wolke mit flammendem Schwert herabfährt», sagt die Geigerin. Doch später erfahre man auch, wie es sich im Himmel anfühlen werde, wenn einem ein Engel die Laute reiche und man 
direkt den lieben Gott sehen könne.

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