mitgliederwerden grey iconMitglied werden
Archiv
Schlichte Form: Miss Pinkerton (Eleonora Vacchi) und Miss Todd (Claude Eichenberger).© Annette Boutellier
Stadttheater Bern

Innere Bilder

Unter der Leitung des Dirigenten Matthew Toogood präsentiert Konzert Theater Bern die Oper «The Old Maid and the Thief» von Gian Carlo Menotti als Live-Hörspiel.

Ein mörderischer Dieb ist aus dem Gefängnis einer Kleinstadt in Amerika entflohen. Für Miss Todd, eine alte Jungfer, hat diese Neuigkeit eine beunruhigende Bedeutung, denn sie und ihre Haushälterin Laetitia haben kürzlich einen jungen Landstreicher bei sich aufgenommen. Aus Angst und Liebesbegehren gleichermassen wollen die beiden ledigen Frauen den hübschen Bettler und vermeintlichen Mörder nun wieder auf den rechten Weg bringen, indem sie ihm freimütig Geld geben und ihm jeden Wunsch erfüllen.

So beginnt die komische Oper «The Old Maid and the Thief» (Die alte Jungfer und der Dieb) von Gian Carlo Menotti. Der amerikanische Komponist mit italienischen Wurzeln konzipierte diese «Groteske in 14 Szenen» über heuchlerische Moral und weibliche List im Jahr 1939 zunächst als musikalisches Rundfunk-Hörspiel, doch 1941 fand auch die Uraufführung einer szenischen Bühnenfassung statt.

Straffe Dramaturgie

Menottis Radio-Oper ist nach Pergolesis «La serva padrona» nun das zweite Musiktheaterstück auf dem ­Juni-Spielplan von Konzert Theater Bern. «Da das Originalwerk vornehmlich auf das Hören ausgerichtet ist und mit vier singenden Figuren, einem Erzähler und einer Klavierbegleitung eine überschaubare Besetzung besitzt, eignet es sich hervorragend für die aktuelle Situation», sagt der australische Dirigent und Pianist Matthew Toogood, der sowohl für die musikalische Leitung als auch für die Konzeption verantwortlich zeichnet.

«Wir haben eine schlichte Form gefunden, die etwas mehr als konzertant, aber auch nicht voll inszeniert ist», sagt Toogood. Die Konzeptualisierung simuliere eine Hörspiel-Aufnahmesituation, wobei das an Pulten stehende Gesangsquartett (Claude Eichenberger, Orsolya Nyakas, Eleonora Vacchi, Todd Boyce) – als Erzähler agiert der Schauspieler Jürg Wisbach – auch die Geräuschkulisse mit verschiedenen Gegenständen selbst erzeugt. «Das Publikum kann nach Belieben die Augen schliessen, um die Szenen als innere Bilder aufsteigen zu lassen», so der Dirigent.

Mit ungefähr einer Stunde Dauer habe «The Old Maid and the Thief» ausserdem eine ideale Länge: «Die Dramaturgie ist straff geschrieben, da kommt keine Langeweile auf», sagt Toogood. Und auch die «eher klassische und eingängige Musik» unterstütze die amüsant-turbulente Story, die mit einigen überraschenden Plot-Twists aufwartet.

Events zu diesem Artikel

Keine Veranstaltungen

Anmeldung Newsletter

Wetter in Bern

laden