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Illuminierter Ensemblename und illuminiertes Vergnügen: die Camerata Bern gibt die CD «Plaisirs Illuminés» heraus.© Julia Wesely

Irrwitzige Klanglandschaften

Die neue CD der Camerata Bern und ihrer künstlerischen Partnerin Patricia Kopatchinskaja heisst «Plaisirs 
Illuminés». Darauf sind Werke aus dem 20. und 21. Jahrhundert zu hören.

19064 Noten, 1544 Akkorde, 4062 dynamische Angaben und 527 Verzierungen – das sind die numerischen Parameter der Komposition «Les Plaisirs Illuminés», welche der spanische Komponist Francisco Coll im Jahr 2018 exklusiv für die Geigerin Patricia
Kopatchinskaja, die Cellistin Sol Gabetta und die Camerata Bern schrieb. In musikalischer Hinsicht ist das viersätzige Doppelkonzert eine Odyssee durch irrwitzige Klanglandschaften – man erlebt zwischen peitschenden Rhythmen, eruptiven Ausbrüchen, kratzigen Reibungen und quietschenden Streichermelodien auch immer wieder ruhige Momente, die aber zumeist in geisterhaftem Licht erscheinen. 

Das Motto der Surrealisten

Den Titel «Les Plaisirs Illuminés» hat Coll einem Gemälde von Salvador Dalí entlehnt. Die Musik nehme jedoch gemäss einer persönlichen Werkbeschreibung keinen konkreten Bezug auf die Inhalte dieses Bildes. Er habe sich vielmehr vom grundsätzlichen Motto der Surrealisten inspirieren lassen, das da lautet: «Unmögliche Welten auf sehr realistische Weise schaffen».
«Plaisirs Illuminés» ist nun auch der Titel der neuen CD von Kopatchinskaja und der Camerata Bern. Das Kammerorchester eröffnet das Programm mit der Komposition «Musica concertante per 12 archi» von Sándor Veress – ein Werk, das der ungarisch-schweizerische Komponist in den Jahren 1965/66 für die Camerata Bern schuf. Weiter präsentieren die Musikerinnen und Musiker neben Colls Doppelkonzert auch das «Concerto per corde op. 33» von Alberto Ginastera sowie je ein kurzes Stück von György Kurtág, Béla Bartók und György Ligeti.

Fragmentierte Volksmusik

All diese sechs Komponisten stehen in einer Tradition, die sich spielerisch mit folkloristischen Elementen auseinandersetzt. In ihren Werken ist die Volksmusik zum Teil bis zur
Unkenntlichkeit verfremdet, verzerrt oder fragmentiert. Die variationsreichen Klangeffekte, die sich aus verschiedenen Stilen der Moderne speisen, machen aber schliesslich den Reiz dieser CD aus. Beim Anhören wird es nie langweilig, da abrupte Stimmungswechsel, scharfe Phrasierungen und Dissonanzen das Ohr ständig necken.
Kopatchinskaja, seit 2018 «Artistic Partner» der Camerata Bern, schreibt im Booklet, dass die Einstudierung dieser Werke sehr anspruchsvoll gewesen sei: «Alle Kompositionen forderten das Ensemble mit hochvirtuosen und oft auch solistischen Schwierigkeiten. Am Ende fühlten wir uns, wie wenn wir den Mount Everest bezwungen hätten.»

Camerata Bern: «Plaisirs Illuminés», 2020, Alpha Classics
www.cameratabern.ch

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