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Bringt Konzerte auch zur Geisterstunde ins Wohnzimmer: der Verein Konzerte Bern.© Vera Urweider

Lebendige Geisterkonzerte

Auch der musikalische Austausch hat sich ins Internet verschoben: Der Verein Konzerte Bern rief kurzerhand das «Konzertforum» ins Leben, eine Plattform, auf welcher täglich ein «Geisterkonzert» zu sehen und zu hören ist.

«Ich will nie wieder sowas machen», sagt Vital Julian Frey und lacht. Da war diese unpersönliche steife Atmosphäre. Kein Publikum. Keine Reak­tion. Keine Rückmeldung. Keine Verbindung.

Im Fussball kennt man es schon lange, das Spiel ohne Publikum. Das Geisterspiel. Nun hat diese Idee auch die Musikszene erreicht: das Geisterkonzert. Seit Corona Konzerte ausfallen lässt, Musiker arbeitslos macht und die Menschen in die eigenen vier Wände verbannt, verschiebt sich das soziale Leben noch mehr als zuvor in die sozialen Medien. So auch Konzerte.

Also spielten sie

«Es war eine ganz spontane Idee», sagt der Cembalist Frey, der auch die Bachwochen Thun leitet. Zwölf Stunden war er Anfang März mit seinem Cembalo nach Hitzacker in Niedersachsen gefahren, am Tag seines Auftrittes im Rahmen der Musikwoche Hitzacker. Just während er sein Instrument stimmte, kam die Nachricht des sofortigen Austragungsverbotes aller Anlässe. «Machtlosigkeit und Enttäuschung liessen spüren, dass wir etwas machen wollten.» Also spielten sie. Als Trost für die Zuhörer, die zu Hause bleiben mussten. Als Belohnung für vorgeleistetes Üben. Als Solidarität und Unterstützung für das Festival.

Frey möchte die Erfahrung nicht missen. Ihm wurde bewusst, was ein Konzert für ihn ausmacht: der Dialog mit dem Publikum.

Gemeinsam mit Frey hat die Geschäftsführerin des Vereins Konzerte Bern, Angela Kreis-Muzzulini, die Idee der «Geisterkonzerte» weiterentwickelt. Sie gründete auf der Webseite des Vereins das «Konzertforum». Dort werden täglich Konzertvideos von Berner Musikerinnen und Musikern hochgeladen.

Stille Zeiten

Die momentane Lage macht aber nicht nur Konzerte mit Publikum unmöglich, sondern auch Konzerte ohne Publikum sehr schwierig. «Für Orchester und Chöre ist es nicht lösbar», ist sich Kreis-Muzzulini bewusst. «Aber Kammerformationen bis zu fünf Personen könnten sich treffen und Geisterkonzerte spielen.» Noch gibt es im «Konzertforum» vor allem Konzertaufnahmen von früher, mit Publikum. Doch hofft Kreis-Muzzulini, dass einige Musikerinnen und Musiker ihrem Aufruf folgen, Geisterkonzerte aufnehmen und ihr den Youtube-Link zusenden.

«Wir wollen, dass unsere Musiker auch in stillen Zeiten präsent sind und von zu Hause aus gehört und gesehen werden können», sagt sie. «Gleichzeitig wollen wir unserem Publikum zu Hause auch etwas bieten.»

www.konzerte-bern.ch

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