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Die Flötistin Johanna Schwarzl nutzt die Zeit, «um technisch fit zu bleiben».© Diana Suchanek

Mit Musik Brücken schlagen

Vielseitig und innovativ: Neben ihrer Arbeit als Soloflötistin beim Berner Symphonieorchester führt die deutsche Musikerin Johanna Schwarzl verschiedene Musikvermittlungsprojekte durch.

Für einmal rattert, knarrt und rumpelt es nicht in der alten Mühle in Kirchberg. Für einmal schwingen harmonische Klänge durch den niedrigen, hölzernen Raum. Zwischen Mehl­säcken spielen die Flötistin Johanna Schwarzl, der Tenor Moritz Achermann und der Pianist Dan Marginean für ein virtuelles Publikum eine eigens für dieses Konzert bearbeitete Fassung des Liederzyklus «Die schöne Müllerin» von Franz Schubert. Die Männerchöre Kirchberg und Büren zum Hof, die im Rahmen dieses Projekts drei Lieder aus dem Werk singen, erscheinen in vorab aufgezeichneten, projizierten Videoclips. Ausserdem erzählt Werner Aeby, Chorsänger und Inhaber der Mühle, in eingespielten Audiosequenzen biographische Anekdoten zum Handwerk des Müllers.

Klassik auf dem Bauernhof

Das Konzert, das im Dezember 2020 stattfand, war der Ziel- und Höhe­punkt des Musikvermittlungsprojekts «Der letzte Müller» der deutschen Flötistin Johanna Schwarzl. Es war ihre Abschlussarbeit im Masterstudiengang Specialized Music Performance mit Schwerpunkt Musikvermittlung an der Hochschule der Künste Bern. «Die Grundidee dahinter war, einen respektvollen und bereichernden Austausch zwischen Stadt und Land, ‹Hoch -und Volkskultur› zu ermöglichen», sagt die Flötistin. Das kreative Konzept und das wirkungsvolle Resultat überzeugte die Jury; Schwarzl erzielte die Bestnote und gewann den mit 6000 Franken dotierten Tschumi-Preis.

Ihr Anliegen, «mit Musik Brücken zwischen unterschiedlichen Gesellschaftsgruppen zu schlagen», wird Schwarzl auch nach ihrem Studium mit diversen Projekten umsetzen. Das Musikfestival Bachwochen Thun etwa hat ihre Idee von «Hofkonzerten» in seinen diesjährigen Spielplan auf­genommen. Mit einem mobilen, ausklappbaren Bühnenwagen will Schwarzl mehrere Bauernhöfe im Berner Oberland besuchen und vor Ort ein individuell zugeschnittenes Programm präsentieren.

Luftige Töne

Schwarzl wuchs selbst auf einem Bauernhof in der Nähe von Stuttgart auf. Mit 15 Jahren begann sie ihr Flötenstudium zunächst an der Hochschule für Musik in Stuttgart. Ihre musikalische Laufbahn führte über Paris und Basel in die Bundeshauptstadt, wo Konzert Theater Bern sie im Berner Symphonieorchester als Soloflöstistin engagierte. Da das Vierspartenhaus kürzlich auch seinen Probenbetrieb einstellen musste, befindet sich Schwarzl nun ebenfalls in der Zwangspause. «Die frei gewordene Zeit nutze ich einerseits, um meine zukünftigen Projekte zu planen», sagt Schwarzl, «andererseits übe ich viel und intensiv, um technisch fit zu bleiben.»

Als grösste Herausforderung beim Spielen der Querflöte nennt Schwarzl die «Luftführung»: «Weil nur etwa 20–30 Prozent der ausge­stossenen Luft tatsächlich in das In­strument rein gehen, muss man in möglichst kurzer Zeit möglichst viel einatmen», sagt die Musikerin. Aber dieses «Luftige» sei auch gerade das, was ihr am Flötenklang am besten gefalle: «Die Töne haben eine weiche und zarte Beschaffenheit, aber dennoch sind sie sehr ausdrucksstark», sagt sie. Der Dokumentarfilm zum Projekt «Der letzte Müller» ist auf Vimeo zu sehen.

www.johannaschwarzl.com
www.konzerttheaterbern.ch
www.hkb.bfh.ch

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