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Céleste Boursier-Mougenot macht in «from here to ear» die Vögel zu Musizierenden.© Anders Sune Berg

Musikalische Tierwelt

Wer imitiert hier wen? Die aktuelle «Sprechstunde für Neue Musik» fokussiert sich auf die klingenden Aspekte in den Beziehungen zwischen Menschen und Tieren.

Vögel pfeifen, zwitschern und tirilieren hauptsächlich aus zwei Gründen: zur Markierung des Reviers und zum Anlocken des Weibchens. In der Wahrnehmung des französischen Komponisten Olivier Messiaen (1908–1992) waren Vögel allerdings die «grössten Musiker unseres Planeten». Mehr noch: Er erachtete sie nicht nur als Komponisten und schaffende Künstler, sondern auch als die «Stimme Gottes».

Ausgerüstet mit einem Tonbandgerät, einem Schreibstift und Notenblättern verbrachte Messiaen unzählige Stunden in der Natur und sammelte und studierte die Laute der Federtiere. Diese Leidenschaft prägte seinen Kompositionsstil massgeblich. In vielen seiner Kompositionen waren Vogelrufe die Grundlage der musikalischen Gestaltung; etwa im Klavierwerk «Catalogue d’oiseaux» oder in «Abîme des oiseaux» dem dritten Satz seines berühmten Quartetts «Quatuor pour la fin du temps».

Offener Austausch

Um Imitation und Inspiration geht es in der anstehenden zweiten «Sprechstunde für Neue Musik», die der Musiker und Musikvermittler Tobias Reber im Vorfeld des Musikfestival Bern ­online durchführt. Anhand verschiedener Musikbeispiele, Naturaufnahmen, literarischer Zitate, Film­aus­schnitte und wissenschaftlicher Erkenntnisse will Reber auf die Möglichkeiten der klanglichen Beeinflussung von Mensch und Tier eingehen. Im Fokus des offenen Austauschs sind neben Komponisten, die sich bei der Schöpfung ihrer Werke von Vogellauten inspirieren liessen, auch die folgenden Bereiche ein Thema: Musik für Tiere, Live-Musik mit Tieren sowie Vögel, die artfremde Geräusche nachahmen.

Tiere als Publikum

Unter den künstlerischen Projekten, die Reber an diesem kostenlosen Zoom-Meeting vorstellen und besprechen möchte, sind etwa jene des deutschen Kunstdozenten Marek Brandt. Er komponiert und gibt Konzerte exklusiv für Hunde, Katzen, Mäuse, Affen, Fische oder Moskitos. «In diesem Fall kann man sich fragen, ob Tiere sich überhaupt als Publikum eignen», sagt Reber, «denn Tiere haben einen anderen Aufmerksamkeitsmodus, hören in anderen Frequenzbereichen und verarbeiten Klänge in ungleicher Geschwindigkeit.»

Und als Beispiel für ein Projekt, das Vögel als aktive Musiker einsetzt, nennt Tobias Reber die Klanginstallation «from here to ear» des franzö­sischen Künstlers Céleste Boursier-­Mougenot. Bei diesem Projekt werden Kunsthallen zu begehbaren Volieren, und die Besucherinnen und Besucher lauschen den Klängen, die 88 Zebrafinken erzeugen, wenn sie zwitschern oder sich auf horizontal installierte E-Gitarren oder -Bässe setzen.

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