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«Momentan ist mein Kampf eher, dass ich nicht jedes Thema angehen kann.» Ihr Debütalbum aber kann Best-Elle einweihen.© ZVG
Rössli in der Reitschule, Bern

Reimend und rebellisch

Die 17-jährige Rapperin Best-Elle tauft im Rössli ihr Debüt «NikotinKoffeinKaviar». Mit 
der BKA spricht sie über ihr Album, einen Rebellionen-Clinch und die Schwierigkeit,
den Blick für das Wesentliche zu behalten.

«Anfangs war das Rauchen rebellisch, weil es die Regeln der Eltern brach. Später fanden die das plötzlich easy und ich denke mir – Shit, wozu rauche ich denn jetzt noch?», sagt die 17-jährige Rapperin Best-Elle mit ihrem unverblümten und staubtrockenen Humor. Um solche und weitere existenzielle Fragen dreht sich Best-Elles Debüt­album «NikotinKoffeinKaviar». Des Weiteren handelt es davon, in dieser entgleisenden und konfusen Welt klarzukommen. «Oft sind meine Songs wie ein Tagebuch, das sich halt reimt und hoffentlich ein bisschen gut tönt.» Ein hochpolitisches und angriffslustiges Tagebuch («I ha nid gnue Hass, für aues wos z hasse git»), das ihren persönlichen Kampf durchschimmern lässt, den Blick für das Wesentliche zu behalten.

«Resignation ist Luxus»

Früher habe Best-Elle probiert, alles zu hinterfragen und politisch hochaktiv zu sein. «Momentan ist mein Kampf eher, damit klarzukommen, dass ich nicht jedes Thema angehen kann», so die Bernerin mit der tiefen und rauen Stimme. Darum kreist auch ihr systemkritischer Song «Scheiss Läbe». Im ersten Teil spricht die Gymnasiastin, die sich momentan nur wenig für Lohnarbeit interessiert, davon, vielleicht besser selbst einmal ein «Bünzli» zu werden, um auf der sicheren Seite zu stehen. Dann rät ihr die Stimme von Tommy Vercetti, der im Stück seine Kommentare zu ihren Texten abgibt: «Estelle, mach öppis wo Hoffnig git. Resigniere isch Luxus!» Und das gelingt ihr zweifellos: Best-Elle gibt Hoffnung. Hoffnung auf eine bunter durchmischte Schweizer Hip-Hop-­Landschaft. Hoffnung auf mehr laute Frauen auf den Bühnen, die sich keinen Deut um Normen scheren. Hoffnung darauf, dass sich diese junge, kluge Feministin nach ganz oben kämpft.

Mitarbeit am Text: Henrik Freytag

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