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Gibt das alltägliche Leben auf kreative Weise wieder: Komponist Alex Paxton.© Elischa Kaminer
Dampfzentrale, Bern

Tentakelhafter Flow

Der junge britische Komponist und Posaunist Alex Paxton schrieb für das jurassische Nouvel Ensemble Contemporain «Shrimp BIT Babyface», ein Stück für 10 Instrumente. Zu hören ist es in der Dampfzentrale neben einer Neukomposition der Experimentalgrösse Sylvie Courvoisier.

Alex Paxton, man sagt über Sie, dass Sie «sonic adventures», also Soundabenteuer, erzeugen. Wo werden Sie das Publikum mit dem 20-minütigen «Shrimp BIT Babyface» hinführen?
Ich kann nicht wissen, ob mir das Publikum folgt, aber ich möchte es an einen utopisch-fantastischen Sci-Fi-Ort voller Freude, Lust und Leben bringen.

Wenn ich Ihre Musik höre, denke ich an Zirkusposaunen, Jazz, Lärm, Cartoon-Melodien, Blechbläser, Spielautomaten, Walt Disney, Strawinsky, kleine Lebewesen, die vor sich hin mampfen. Und das alles in einem rasanten Tempo. Ihr Sound ist lustig. Und ziemlich verrückt. Woher kommt diese kreative Fülle?
Ich mag lebende Dinge, die vor sich hin mampfen! (lacht). Nun, ich denke, das kommt von meiner Erfahrung, lebendig zu sein, zu existieren. Ich muss einfach Musik machen, da ist dieser Drang in mir. Ich mag die Idee des tentakelhaften Denkens, das die Cyborg-Feministin Donna Haraway entwickelt hat. Beim Komponieren strecke ich meine Fangarme aus, um das alltägliche Leben zu erfassen und es in einer komponierten, aber dennoch chaotisch-kreativen Weise wiederzugeben.

Sie malen auch. Fliesst das ins Musikschreiben ein?
Klar. Eigentlich stammt der Titel «Shrimp BIT Babyface» von einem Bild, das ich gemalt habe. Ich begann damit als eine Art Selbsttherapie, nie mit der Absicht, Kunst zu machen. Es hilft mir, das, was ich unbewusst in mir habe, rauszuholen. Um ehrlich zu sein, interessieren mich die bewussten Gedanken der Menschen nicht sonderlich. Es ist das Unbewusste, das mich reizt.

Ist Ihre Musik auch eine Art, mit dem chaotischen Zustand der Welt zurechtzukommen?
Nun, wenn man bedenkt, dass ich hier und jetzt lebe, kann es gar nicht anders sein. Aber ich möchte nicht mutlos und nihilistisch sein, ich will in diesem inneren, positiven Fluss bleiben. Trotz allem.

Grossbritannien stehen harte Zeiten bevor. Wird Ihnen diesen Winter warm genug sein?
Ich werde in meiner Wohnung rumspringen. Und ich werde Posaune spielen. Das ist eine ziemlich schweiss-treibende Angelegenheit.

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