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Das Argument «es gibt halt keine» werde mit der Plattform entkräftet, sagt Meier. © Danielle Liniger

«Wir wollen Vorbilder sichtbar machen»

Helvetiarockt, die Schweizer Koordinationsstelle für Musikerinnen, hat Music Directory ins Leben gerufen – eine Plattform für Frauen, inter, trans und non-binäre Menschen in der Musikbranche. Elia Meier von Helvetiarockt erklärt, wie die Plattform funktioniert und warum sie nötig ist.

Elia Meier, wieso braucht es eine Plattform wie Music Directory?
Musikerinnen machen auf der Musikbühne gerade mal um die 15 Prozent aus. Schauen wir uns die Urheber­innenrechte von Songs und Stücken an, liegen diese gerade mal bei 16 Prozent. Es gibt also eine starke Unterrepräsentation von Frauen. Unsere Plattform richtet sich auch an inter, trans und nicht-binäre Menschen, welche in der Musikbranche genauso unsichtbar sind wie in der Gesellschaft. Wir wollen alle Geschlechter sichtbar machen, die nicht von der klassischen «Brotherhood» unter Männern in der Branche profitieren können.

Warum gibt es diese Unterrepräsentation?
Zum einen hat es mit den Strukturen innerhalb der Branche zu tun, andererseits mit stereotypischen Normen. Dazu kommen die fehlenden Vorbilder: Wenn eine junge Frau immer nur Männer am Schlagzeug erlebt, dann kann sie das Gefühl haben, das sei nichts für sie. Es braucht Vorbilder, mit denen sie sich identifizieren kann.

Und hier setzt die Plattform an?
Ja, wir wollen damit Vorbilder sichtbar machen. Aber auch greifbar: Wenn nun eine junge Person DJing lernen möchte, kann sie auf der Plattform nach anderen DJs suchen, die in ihrer Nähe sind.

Es geht also mehr ums Vernetzen als darum, potenziell für einen Auftritt gebucht werden zu können?
Vorbilder zu finden und Vernetzung stehen im Fokus. Aber natürlich soll es auch dazu dienen, ein neues Bandmitglied, ein Jurymitglied oder eine Person für einen Festivalvorstand oder das Team zu finden. Auf Music Directory ist dies alles zu finden. Natürlich, wer eine Party oder ein Konzert organisiert, kann und soll sich unbedingt auch auf der Plattform schlau machen. Es ist aber kein explizites Booking-Tool.

Es sind aber nicht nur Musikschaffende, die auf der Plattform zu finden sind.
Die Plattform ist nicht nur für Musikschaffende, sondern für alle, die mit der Branche in Berührung kommen: Menschen aus dem Feld der Tontechnik, Booking, Fotografie, Grafik, Medienarbeit. Wenn eine Person nun eine Band nicht nur gründen, sondern auch vermarkten und auf die Bühne bringen will, sind alle nötigen Rollen dafür auf der Plattform zu finden.

Es gibt immer mehr solche Plattformen, auch ausserhalb der Musikbranche. Ist das die Zukunft im Kampf gegen Unterrepräsentation?
Es besteht einfach ein grosses Bedürfnis danach. Oft ist es schwierig, passende Personen zu finden. Mit unserer Plattform ermöglichen wir nun allen, sich über geeignete Schlagzeugspielende oder Jurymitglieder zu informieren und den Kreis der möglichen Personen, die für eine Position oder einen Job in Frage kommen, zu erweitern. Das Argument «es gibt halt keine» wird mit solchen Plattformen entkräftet. Das macht es dann auch einfacher für Leute, die sich solidarisch zeigen und sich verweigern an Podien ohne Diversität teilzunehmen oder in Jurys zu sitzen, die nur aus weissen Männern bestehen. Sie können nun auf die Music Directory verweisen, die Fachleute und Profis für jeden Bereich bietet.

www.musicdirectory.ch

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