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Off the Record

von Till Könneker
© Olivia von Wattenwyl/Blackyard

Till Könneker

Till Könneker realisiert Ideen, Konzepte, Kunst und Kulturprojekte. Er gründete den Hauptsitz im PROGR, erfand das Kultur Blind Date und die Too Late Show, 2021 rief er das Amt für Ermöglichung ins Leben, das unbürokratisch Kunst fördert. Off-the-record schreibt er über das Potenzial von Bern und darüber hinaus.

Bern hat eine vielfältige Kulturlandschaft mit vielen Veranstaltungen, aber immer weniger Publikum. Konzerte, Ausstellungen und Aufführungen sind für das Kunstschaffen überlebenswichtig. Was ist der Grund für den Publikumschwund? Sicherlich die Corona-
Jahre, aber auch fehlende Sichtbarkeit. Früher gab es Facebook-Einladungen, doch dort liegt nur noch Staub. Dann gibt es zum Glück die «BKA» und das «ensuite», immerhin. Doch dort reinzukommen ist schwer und in einer der Tageszeitungen besprochen zu werden, oft nur mit Glück oder Vitamin B möglich. Was tun? Vielleicht mangelt es an einem lokalen Kunstmedium, das nicht über, sondern aus der Szene schreibt. Ein gutes Beispiel ist die Zeitung «Megafon» der Reitschule, die aus dem Innern und von der Peripherie des autonomen Kulturzentrums informiert.

Wenn nur von aussen und dann auch nur spärlich oder nicht berichtet wird, ist es an der Zeit, selbst das Megafon zu ergreifen und den Menschen zu berichten, wer inszeniert und warum und wann man das Erarbeitete zu sehen bekommt.

Dieses Sichtbarmachen von etwas, das in Entstehung ist, kann einen Spannungsbogen aufbauen, der das Interesse weckt und das Publikum erreicht.

Wie oft wünsche ich mir mehr 
Hintergrundinfos über ein Projekt, vielleicht durch ein Interview, um zu erfahren, woran überall gearbeitet wird. Klar kann ich den Instagram-
Account abonnieren, doch es braucht eine gewisse Reichweite über die Kulturbubbles hinaus.

Das Amt für Ermöglichung geht 
mit dem Projekt www.currentlyworkingon.art in diese Richtung. Spenden und Abos unterstützen monatlich Kulturschaffende in ihren Arbeitsphasen und machen diese auf der Plattform sichtbar. Hier ist es möglich zu sehen, woran sie arbeiten. Dieser Einblick ist nicht nur für Kulturinteressierte spannend, sondern ermöglicht auch einen Austausch unter Kunstschaffenden selbst.

Ein eigenes Medium, das nicht einzig anstehende Events bespricht und abdruckt, sondern aus der Perspektive der Künstler*innen informiert, könnte der Szene mehr Kontrolle, Kontext und Aufmerksamkeit bringen. Ich finde, es ist Zeit für eine neue Art der Berichterstattung über Kunst und Kultur. Sie braucht mehr Reichweite, denn ohne Publikum kann Kunst nicht wirken und leben.

Illustration: Olivia von Wattenwyl, Blackyard


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