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Off the Record

von Jeannette Wolf
© Olivia von Wattenwyl/Blackyard

Jeannette Wolf

Jeannette Wolf macht die Bar im Kino Rex, kleine Hörstücke und Radio bei RaBe. Was die Wahlbernerin aus Hamburg vom Kulturleben so aufschnappt, teilt sie off-the-record mit den Leser*innen der BKA.

So, heute wird sich mal aufgeregt! Über was? Über Kurzfilme. Also nicht direkt über Kurzfilme, ich liebe Kurzfilme. Aber über die Auswahl von Kurzfilmen bei so einigen Festivals ärgere ich mich nun schon seit Jahren, so dass es jetzt mal raus muss Mein halbes 48-jähriges Leben bin ich nun auf Kurzfilmfestivals unterwegs, zuletzt in Winterthur (tolles Festival – vor allem im Rahmenprogramm stark). Und stelle fest, dass die Ausbeute an Wettbewerbsfilmen, die ich wirklich spannend, gut gemacht und erinnerungswürdig finde, früher erheblich grösser war als heute. Klar, es wird mehr produziert, die digitale Herstellung ist niederschwelliger. Der Anteil darunter an – nach meinem Geschmack – völlig langweiligen und nichtssagenden Filmen wächst. Aber müssen es solche dann nach mehreren Sichtungsrunden auch auf Festivals schaffen? Haben sich die Sichtungsgruppen derart verändert, dass deren Geschmack und Interesse diametral zu meinen stehen? Geschmäcker müssen verschieden sein. Aber wenn mir von Wettbewerbsprogrammen mit je sechs Filmchen gerade mal je ein halber gefällt (wenn überhaupt!) und ich um meine soeben verschwendete Lebenszeit trauere, dann ist das einfach eine sehr schlechte Trefferquote! Früher fand ich vielleicht einen doof, den Rest hervorragend und heute noch sehenswert.
«Wolf, wir werden einfach älter und unser Geschmack ist wahrscheinlich hängen geblieben in den Neunzigern und Nullern», sagte mir neulich ein alter Festival-Freund. Da mag was dran sein, aber überraschen lasse ich mich trotzdem gern.
Die Kurzfilmer*nnen und Sichtungsgruppen werden jünger, und einige haben scheinbar eine Lebenswirklichkeit und Ästhetik, die meiner nicht entspricht, mich nicht inspiriert. Hm... Aber die guten Filme, sie gibt es ja. Man muss sie nur erkennen und auswählen! Das hat beispielsweise das vergangene Wochenende des Berner Films Be-Movie bewiesen. Am besten, ich heuere selbst mal auf einem Festival an. Und schlage eine Reihe vor mit dem Titel «Kurzfilme mit Altersflecken». Mal sehen, ob ich hinterher ausgeschimpft werde für die Auswahl.


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