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Pegelstand

von Manuel C. Widmer
© Rodja Galli, a259

Manuel C. Widmer

Manuel C. Widmer ist Primarlehrer, Stadtrat (GFL), als plattenleger mcw (Zweitklass-)DJ in diversen Berner Klubs und als YB-Fan auch an Fussballkultur interessiert. Er ist leidenschaftlicher Koch und Vorstand der IG Nachtleben.

«Alli Basler si schwul!» Ein Grund, sich im Wankdorfstadion umzudrehen und dem Hintermann die Meinung zu geigen. Leider mit wenig Effekt – die anderen Mitrufer erreiche ich genauso wenig wie den homophoben Fan selbst, der meint, in einem Stadion sei das schon okay.

«Tor: von Ballmoos. Verteidigung: von Bergen. Rest: von Afrika.» Obschon sich viele Fussballidole öffentlich gegen Rassismus und Homophobie äussern, fand dieser Spruch den Weg aus den YB-WhatsApp-Gruppen bis in die Schnitzelbänke der Berner Fasnacht. Und das im Jahr 2018.

«Fan-Kultur» würde ja eigentlich bedeuten, dass Mann sich im Stadion (bis zu einem gewissen Grad) kultiviert verhält. Offensichtlich wirken Kunstrasen und Bier wie ein Katalysator, der bei einigen den kultivierten Teil blockiert. Aus dem Homo Pediludium (frei übersetzt: fussballbegeisterter Mensch) wird ein Homo Erectus.

Wie wäre es denn, wenn am nächsten Matchtag beim Einlass allen Fans zwei Kinokarten in die Hand gedrückt würden? Und zwar für «Mario». Der Spielfilm des Schweizer Regisseurs Marcel Gisler vermittelt, wie schwule Fussballer (und Fans) unter Homophobie und Häme der Fans leiden. Er lässt verstehen, wie sich schwule Fans und Fussballer fühlen. Denn er konfrontiert mit der unbedachten oder mutwilligen Herabwürdigung der sexuellen Orientierung und der Last der Selbstverleugnung.
Die zweite Karte ist für den Marvel-Blockbuster «Black Panther». Nicht wegen einer besonders kompakten Story oder der Orgie an Spezialeffekten oder des Soundtracks von Kendrick Lamar. Interessant am Film ist der Cast, in dem nur einige wenige Schauspieler mit heller Hautfarbe eine Rolle spielen. Eine gekonnte Umkehrung bisheriger Filmgewohnheiten, wenn auch nicht frei von Kitsch und Klischees.

Auch wenn YB den Kinobesuch kaum sponsern wird: Dieser Kulturgenuss durch Fans könnte den Genuss der Fankultur tatsächlich heben. Hopp YB, hopp YB-Fans! Und geniesst die Stadtkinos, solange ihr noch könnt.


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