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Pegelstand

von Barbara Boss
© Rodja Galli, a259

Barbara Boss

Barbara Boss ist freischaffende Produktionsleiterin und Dramaturgin und Mitglied des Theaterkollektivs Faust Gottes. Sie ist ein «Bärgmeitschi» aus dem Oberland, fühlt sich aber in der Stadt Bern heimisch. Sie mag guten Schnaps, Bruce Springsteen und Katharsis im Theater.

Letzte Woche haben Studierende, Lernende, Schülerinnen und Schüler zum Bildungsaufstand aufgerufen. Schweiz­weit gab es Vorträge, Workshops, Demos, Filmabende und gemeinsames Kochen gegen den Bildungsabbau. Eine wichtige Aktionswoche –  die Studiengebühren steigen, der Leistungsabbau an Schulen ist prekär, die Berufslehren werden immer profitorientierter und den Lehrkräften werden die Löhne gekürzt. Dagegen lohnt es sich, aufzustehen und laut zu werden! Als Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Kirchenfeld aber eine Aktion auf dem Schulgelän­de durchführen wollten, wurden sie von der Schulleitung weggewiesen. Sie hätten hierfür keine Bewilligung eingeholt. Ich verstehe ja das Prinzip: keine Bewilligung, keine Demo. Aber müsste man diese jungen Menschen, die sich für eine starke, allen zugängliche Bildung einsetzen, nicht eben gerade aus Prinzip unterstützen, Bewilligung hin oder her?

 

Bewilligungen erschweren auch das kulturelle Schaffen in Bern. Für eine Freilichttheater-Produktion der Gruppe Vorort müssen an die 15 Bewilligungen eingeholt werden, zum Teil von Ämtern, von denen man gar nicht wusste, dass es sie gibt. Im Schlachthaus Theater darf niemand ohne Bewilligung vor einer Theatervorstellung mit einem Glas Wein auf der Gasse stehen. Ist es tatsächlich unmöglich, an einem Kulturanlass einen Happen Essen anzubieten, ohne Bewilligung zur Gastwirtschaft? Brauchen wir wirklich für jede Premiere eine Überzeitbewilligung?

Diese Bürokratisierung ist meiner Meinung nach absolute Ressourcenverschwendung. Da lobe ich mir – und man verzeihe mir den Vergleich, ich kann als Berglerin nicht aus meiner Haut – das Berner Oberland, wo es am Turnerabend im Velokeller die «Mungge Bar» gibt. Ohne Bewilligung. Dafür mit gesundem Menschenverstand und Eigenverantwortung. I däm Sinn: S’isch nid zum säge!


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